Spieglein an der Wand
Sie gleiten wie schlafwandelnde Eisläufer über die Bühne und passieren Spiegel, in denen sie wie flüchtige Erscheinungen auftauchen. Gelegentlich wandeln sie auch wie Pärchen, dann allerdings verschwindet plötzlich einer von ihnen hinter einem der Spiegel und wird scheinbar verschluckt. Da hat man den Eindruck, Mannheims Schauspielchef Burkhard C. Kosminski habe Shakespeares Gender-Illyrium beim Schopf gepackt und das Vexierspiel prekärer erotischer Identitäten als Spiegelkabinett des Scheiterns inszeniert.
Hier findet vorerst kein Deckelchen sein Töpfchen und das Spieglein an der Wand sagt lange nur: Kein Begehren hier im ganzen Land.
Dumm gelaufen. In Shakespeares Illyrien ist zwar viel Begehrlichkeit unterwegs, bei keinem der potenziell Liebenden reicht es aber zum bedingungslosen Begehren. Und so finden am Ende dann auch genau diejenigen zueinander, die bis dahin gar nicht wussten, dass sie überhaupt füreinander in Frage kommen. Das hat was Schales, als habe eine überforderte Dating-Agentur aus Gründen der Ökonomie mal schnell eins und eins zusammengezählt. Die schiffbrüchige Viola etwa, die im fremden Land als verkleideter Cupido unterwegs ist, bekommt den Herzog, für den sie ...
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Es gibt keinen Theaterautor, mit dem ich einen vergleichbar intensiven, leidenschaftlichen und neugierigen und konstruktiven Dialog über das Theater führen kann wie mit Ulrich Hub. Als wir uns kennenlernten, waren wir beide als Autoren noch am Anfang. Heute werden wir beide in Mülheim als Dramatiker ausgezeichnet. Es freut mich ganz besonders, dass wir beide hier...
Fast ist es schon ein neues Genre, zumindest aber eine Erfolgsstory: das Stadtprojekt. Jedes deutsche Stadttheater, das etwas auf sich hält, machte sich in den letzten Jahren daran, die eigene Kommune und dabei besonders gern den Problem-Kiez unter die Lupe zu nehmen und auf schlummerndes dramatisches Potenzial hin abzuklopfen. Das bringt Bewegung ins...
Idealtypischer könnte so ein Tag in Wiesbaden kaum enden. Da kommt man von einem spätnachmittäglichen Ausflug von der russisch-orthodoxen Kapelle auf den begrünten Hängen des Nerobergs zurück zum alten Kurzentrum mit seiner klassizistischen Spielbank, in der schon Fjodor Dostojewski den einen oder anderen Rubel verjubelte. Und gleich nebenan im Staatstheater geht...
