Nathan neu, ein sogenanntes Kinderstück

Gegenloben: Der Mülheimer Dramatikerpreisträger 2010 Roland Schimmelpfennig feiert den ersten Träger des neuen Mülheimer Kinderstückepreises, Ulrich Hub. Auszüge aus der Laudatio

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Es gibt keinen Theaterautor, mit dem ich einen vergleichbar intensiven, leidenschaftlichen und neugierigen und konstruktiven Dialog über das Theater führen kann wie mit Ulrich Hub. Als wir uns kennenlernten, waren wir beide als Autoren noch am Anfang. Heute werden wir beide in Mülheim als Dramatiker ausgezeichnet.

Es freut mich ganz besonders, dass wir beide hier heute zusammen stehen, und es freut mich noch mehr, dass ich ein paar Sätze über Ulrich Hub und das Stück sagen darf, das als erstes Stück überhaupt in Mülheim als bestes sogenanntes «Kinderstück» ausgezeichnet wird, «Nathans Kinder».

«Der Frieden wird nicht lange halten» , sagt Nathan am Ende von Hubs Stück. Und er sagt vorher im Stück: «Die Menschen sind überall unglücklich.» Ulrich Hub ist ein Realist. Oder ist er ein Pessimist? Nein, ein Pessimist ist er vermutlich nicht. Sonst würde bei ihm die Sintflut – wie in einem anderen Hub-Stück, «An der Arche um Acht» – nicht mit dem Kuss zwischen einer Taube und einem Pinguin enden.

Aber: Hub ist ein Skeptiker. Hub betrachtet in jedem seiner Stücke seine Figuren und die Spezies Homo sapiens im Allgemeinen mit einem gesunden grundsätzlichen Misstrauen. «Alle lügen» – das ist zum ...

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Theater heute August / September 2010
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Roland Schimmelpfennig

Vergriffen
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