Doppelgeschöpf, weiblich
Es war ’ne doofe Idee. So ’ne typische Journalisten-Idee. Jetzt stapft Sandra Hüller mit energischen Schritten, die Silhouette schwankt leicht von links nach rechts, auf den Max-Joseph-Platz zu. Da, wo die Münchner Maximilianstraße ihren Anfang nimmt. Die weltberühmte Modemeile.
Wir sind zum Bummeln verabredet. Und zum Reden. Bummeln – natürlich ein Witz. Es ist neun Uhr morgens, keine der Luxusboutiquen hat geöffnet. Bei Jil Sander, das werden wir gleich sehen, schiebt eine Putzfrau noch den Staubsauger an den Verkaufstischen entlang. Und blickt uns irritiert entgegen.
Dieser schöne Laden, den hab ich so gern, immer will ich vorbeigehn und schauen, immer drücke ich mir die Nase an der Scheibe platt, bilde mir sogar ein, neulich hätte mir jemand aus dem Laden zugewinkt, aber das war sicher eine Vision, eine Erscheinung. Die Putzfrau zieht mit ihrem Staubsauger weiter. Echtes Leben zwischen unwirklichen, unwirtlichen Schaufensterpuppen. «Diese Kollektion ist etwas sackig», wird Sandra Hüller gleich fachkundig bemerken. «Die sieht nur an diesen Magersuchtpuppen gut aus, weil sie dort eine schöne Silhouette ergibt. Aber wenn unsereins das anzieht ... tolle Schwangerschaftsmode!«
Aber ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Spieler des Jahres 2013, Seite 100
von Vasco Boenisch
Der Tod ist eine blöde Sau», sagt die mittlere Schwester in Henriette Dushes
«lupus in fabula». Doch die «blöde Sau» wird jeden ereilen, manchmal viel zu früh, oft spät am Ende eines langen Lebens. Die drei Schwestern in «lupus in fabula» trifft das Sterben des Vaters unvorbereitet in der Mitte ihres eigenen Lebens. Erst kommt der nahende Tod viel zu schnell, dann...
Frau Luckerniddle war nicht zu übersehen. Die stets leicht vorgebeugte Pavianpose, mit der sie ihr Hinterteil in die Luft bohrte, dazu das schwarz geschminkte Gesicht, an dessen Rändern die helle Haut der Schauspielerin Isabelle Menke zu sehen war, die Afroperücke, Ethnoklamotten, der starke französische Akzent: Anscheinend wurde hier ziemlich brachial eine...
Für Fritz Kater bedeutet Schreiben nicht nur die Entwicklung neuer Verfahren der Anordnung und Bearbeitung von Wortmaterial, sondern immer eine besondere Art des Verdichtens, des Zuspitzens eigener Wahrnehmung von Wirklichkeit.
«5 morgen», sein neuer Text, schildert eine Welt, in der das Effizienz-Dogma nicht nur die Märkte, sondern vor allem das Menschenbild mit...
