Django ist schwul
Kinder, heißt es ja gerne, sind das beste Publikum. Mein Sohn, der bald seinen fünften Geburtstag feiert, hat ihn noch, diesen unmittelbaren Ausdruck bar jeder bildungsbürgerlichen Publikumskonvention: Wenn ihn das Bühnengeschehen interessiert, folgt er ihm aufmerksam, stellt viele Fragen und ruft Kommentare in den Raum. Wenn es ihn langweilt, schaut er sich sehr schnell nach einer anregenderen Beschäftigung um, versucht, andere Zuschauer ins Gespräch zu verwickeln oder macht es sich ausgestreckt über drei Plätze gemütlich.
Dieses herrlich zwanglos agierende Kind hätte mich eigentlich in meiner Eigenschaft als eine von drei Juroren der Mülheimer «Kinderstücke» in alle fünf Aufführungen begleiten sollen, als eine Art menschlicher Lackmustest.
Schon nach der zweiten Aufführung habe ich kapituliert. Zum einen, weil vier der fünf eingeladenen Stücke sich an Kinder ab 8 oder älter richteten – eine Altersangabe, an die sich zwar niemand halten muss, die aber erfahrungsgemäß ziemlich richtig liegt. Zum anderen, weil natürlich auch in einer Jury für Kinderstücke gilt: Am Ende, nach den ganzen Argumenten, zählt der persönliche Geschmack, nicht der des Publikums – und am allerwenigsten das, ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Magazin: Kinderstücke, Seite 60
von Eva Behrendt
Man sollte mal wieder Hannah Arendt lesen. Danke, Programmheft des Hamburger Schauspielhauses. In dem stehen zur Begleitung von Karin Henkels Dostojewski-Inszenierung «Schuld und Sühne» Auszüge aus einer Vorlesung, die sie 1965 in New York hielt: über die Notwendigkeit des Selbstgesprächs zur Konstituierung als Person. Nur wer mit dem Anderen in sich selbst...
Sie schlängelt sich durchs ganze Land. Vom hintersten Nordosten in den Südwestzipfel, also vom Zollposten St. Margrethen am Bodensee bis in die Weltkleinstadt Genf. Die Schweizer Autobahn A 1 vernetzt fast alle Schweizer Städte, kurvt durchs Mittelland, streift die Seen, wellt sich über Weinberge. Als Transitpiste für Europa taugt sie nur bedingt. Hier produzieren...
Als der dem KZ entkommene Jude Edgar Hilsenrath, geb. 1926, Ende der 60er Jahre für seinen Roman «Der Nazi und der Friseur» einen deutschen Verlag suchte, hagelte es Absagen: Tollkühn erschien der Versuch, den Holocaust aus der Perspektive des Täters zu erzählen, unzumutbar die Geschichte des Massenmords als wilde, pornografische Kasperlegroteske. In den USA...
