Moderne Volkserziehung
Sie schlängelt sich durchs ganze Land. Vom hintersten Nordosten in den Südwestzipfel, also vom Zollposten St. Margrethen am Bodensee bis in die Weltkleinstadt Genf. Die Schweizer Autobahn A 1 vernetzt fast alle Schweizer Städte, kurvt durchs Mittelland, streift die Seen, wellt sich über Weinberge. Als Transitpiste für Europa taugt sie nur bedingt. Hier produzieren die Schweizer ihre Abgase noch selbst: Pendler, Lieferanten, Chalet-Besitzer, Bahn-Abstinenzler.
Die A 1 ist in erster Linie eine Inland-Autobahn. Sie erzählt Schweizer Geschichte(n).
Darum wohl haben Mike und Tobi Müller – die kreativste Verbrüderung eines Schauspielers mit einem Kulturjournalisten, seit es Zürich gibt – kurzerhand die Straße zum Theaterprojekt am Schauspielhaus Zürich erklärt. Nach dem kultigen Zürcher Schulbildungsstück «Elternabend» und dem kabarettreifen «Truppenbesuch» beim Militär ist «A 1 – Ein Stück Schweizer Straße» ihre dritte Arbeit auf den Schnittkanten von Mentalitätsgeschichte, Comedy und Volkserziehung.
Schnellstraßentheater
Wieder ist Tobi Müller für die Dramaturgie und Bruder Mike für die Rampensauarbeit zuständig, wieder führt Rafael Sanchez Regie, wieder helfen Interviews über die ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Stephan Reuter
Drei Theater, drei Städte, ein Thema, so lässt sich das Konzept von «Industriegebietskinder» zusammenfassen, dessen Ergebnisse im Mai in Halle präsentiert wurden. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund, das Thalia Theater Halle und das Theater Strahl aus Berlin haben im letzten Jahr begonnen, ihre jeweilige Industriegeschichte in verschiedenen Beteiligungsformaten...
«Ab jetzt bestimmt die Fiktion die Wirklichkeit!» Der Mann mit der Pelzkappe reißt das Fenster zur Straße auf. Eine frische Brise, Autolärm und Vogelzwitschern dringen in den stickigen Theaterraum hinein, und er brüllt hinaus: «Wir lassen uns von Gott nicht mehr umbringen!» Mit Revolvern hatte der Bärtige, der Anarchist Michail Bakunin, zuvor in den Theaterhimmel...
Wien hat die Schlacht wacker bestanden», berichtet die «Berliner Zeitung» am Tag nach der Premiere von Frank Castorfs jüngster Dostojewski-Inszenierung «Die Brüder Karamasow». Der Berichterstatter wirkt erkennbar mitgenommen, wenn auch um Sachlichkeit ringend. Er hatte «Heroismus bis zur Schmerzgrenze» gesehen und Menschen am Rande des Zusammenbruchs: «Keiner in...
