Die Penetranz von Nagellackentferner
Zweifellos handelt es sich bei der 23-jährigen Katja Brunner um einen schweren Fall von Hochbegabung. Um eine junge Frau, die sich in einer seltsam altertümelnden Sprache erbricht, als wäre sie von Thomas Mann besessen. Ein wenig, als wäre ihr Autorinnen-Ich selbst so ein spiritistisches Wesen aus dem «Zauberberg». Ist sie aber natürlich nicht. Katja Brunner ist auch nicht eine besonders ambitionierte, Mensch gewordene Fassung des «Musenalp Express», jenes legendären Schweizer Magazins für pubertäre Lyrik, das zwischen 1976 und 1990 die Schweizer Schulhöfe in Atem hielt.
Wer es in den «Musenalp Express» schaffte, war ein Popstar. Und je verschraubter, desto Avantgarde.
Aber das war noch vor Katja Brunners Geburt. Die ja nichts anderes ist als die vielversprechendste deutschsprachige Nachwuchsdramatikerin. Oder so. Doch wie beim «Zauberberg» und beim «Musenalp Express» darf man sich die Frage stellen: Ist das auch genießbar? Und: Was bringt’s? Im Fall ihres neuen Stücks «Ändere den Aggregatszustand deiner Trauer oder Wer putzt dir die Trauerränder weg?», das auf der kleinen Bühne des Luzerner Theaters nur ganz selten aufgeführt wird, muss man diese Fragen leider mit «kaum» und ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Luzern, Seite 54
von Simone Meier
Auch die Hexen haben heute Notebooks. Manierlich setzen sie Macbeth an den Feldtisch, ein Klick, und er hat ihre Prophezeiungen vor sich auf dem Bildschirm: Schottlands künftige Könige in digitaler Prozession; Gefahr droht von keinem, den eine Frau geboren hat; solange der Wald von Birnam nicht aufs Schloss zumarschiert, kann nichts passieren.
Die...
Es ist nicht ganz einfach, ernst zu nehmende Kollegen bei der Verwechslung von Schauspielern mit ihren Bühnen-Figuren zu ertappen. Ein Theaterkritiker, der einen Mephisto-Darsteller ohne Ironiesignale fragen würde, ob er auch im Privatleben Blut als ganz besonderen Saft abfeiert, hätte sich professionell sofort erledigt. Erzählt man allerdings im Kollegenkreis,...
Irgendwann spannt und ziept das Kleid doch so arg, dass es sich nicht mehr ignorieren lässt: Die Frau ist schwanger und weiß nicht, warum. Inmitten von Kriegswirren ist sie in andere Umstände gekommen und wird von ihrer Familie verstoßen – zumindest, bis die mysteriöse Vaterschaft geklärt ist. Heinrich von Kleist hat daraus seine gesellschaftskritische Novelle «Die...
