Die Meinungskämpfer
Und auf einmal bricht die Inszenierung auf. Auf einmal sind die Rollen nicht mehr eindeutig verteilt in Milo Raus «Moskauer Prozessen», dem Reenactment dreier Gerichtsverhandlungen der reaktionär-religiösen russischen Staatsmacht gegen ein liberales, provokatives Kunstverständnis. Erst tauchen Sicherheitskräfte am Performanceort auf, sie kontrollieren die Arbeitsgenehmigungen des Schweizers Rau und seines Teams – das ist Schikane, bei Licht betrachtet. Kurz darauf bedrängen «Kosaken», ultraorthodoxe Krawallmacher, die Produktion.
Und jedesmal bekommt Rau Beistand von dem rechtskonservativen Publizisten Maxim Schewtschenko, der in den «Moskauer Prozessen» eigentlich die Rolle des Anklägers spielt: für ein gottesfürchtiges, nationalistisches Russentum, gegen «westlichen» Liberalismus. Schewtschenko unterstützt Rau, und hier beginnen die Probleme.
«Die Moskauer Prozesse», das sind drei Gerichtsprozesse, die Rau vergangenes Jahr im Sacharow-Zentrum der russischen Hauptstadt nachstellte: gegen die Organisatoren der Ausstellungen «Vorsicht! Religion» (2003) und «Verbotene Kunst» (2006) sowie gegen die Punkband Pussy Riot, die vor zwei Jahren eine Mischung aus Polithappening und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2014
Rubrik: Magazin: Film, Seite 68
von Falk Schreiber
2./Sonntag
23.30, ARD: Auf der Suche Fernsehfilm (2011) Buch und Regie Jan Krüger, mit Corinna Harfouch u.a.
4./Dienstag
22.45, ARD: Erika Pluhar – Trotzdem. Mein Leben Film von Sigrid Faltin
9./Sonntag
11.05, 3sat: Robert Walser – ein Poetenleben Biel 1878 – Herisau 1956
Film (2003) von Ernst Buchmüller
11./Dienstag
20.15, 3sat: Ein halbes Leben Fernsehfilm (2008) von...
Am Ende sind die Experten auch nicht schlauer: «Ganz allgemein – es bleibt einfach schwierig», meint einer der drei Herren im Rollkragenpulli, der sich hocheloquent, aber meinungsarm an seiner Tafel abmüht und das Problem mit Schrödingers Katze vergleicht. Ob die gerade schon tot sei, wisse man als Beobachter auch nie. Die andere Fachkraft stottert ein bisschen um...
Wie kann diese schöne Frau nur so kalt sein? Regina Giddens, geborene Hubbard, bei Nina Hoss eine schlanke und elegante Erscheinung in schlichten Etuikleidern, mit hochgestecktem Haar und lackierten Fingernägeln, sitzt ruhig und doch gespannt wie ein Flitzebogen auf der schwarzen Ledersofakante, während ihr herzkranker Gatte Horace (Thomas Bading) seine letzte...
