Das Schicksal der Hochmoderne
Am Ende sind die Experten auch nicht schlauer: «Ganz allgemein – es bleibt einfach schwierig», meint einer der drei Herren im Rollkragenpulli, der sich hocheloquent, aber meinungsarm an seiner Tafel abmüht und das Problem mit Schrödingers Katze vergleicht. Ob die gerade schon tot sei, wisse man als Beobachter auch nie. Die andere Fachkraft stottert ein bisschen um Determinismus und Willensfreiheit herum – nichts Genaues weiß man auch hier nicht –, und der Dritte hadert mit der String-Theorie, ebenfalls nur so eine Hypothese. Die Frage, die eigentlich gestellt war, kam von Orest.
Der jüngste Atridenspross wollte ziemlich dringlich wissen, ob er schuldig sei, nachdem er aus Rache für den Vater Mutter Klytaimnestra mit dem Beil erschlagen hat. Karin Beiers Antiken-Großinszenierung zur Eröffnung des Hamburger Schauspielhauses erklärt sich nach fast sieben Stunden Mythen-Theater demonstrativ ratlos. Dabei hätte jeder Hamburger Amtsrichter den Fall locker klären können. Aber dazu später.
Die neue Intendantin am (nach Plätzen) größten deutschen Theater von Rang hat sich mit einem antiken Marathon-Projekt vorgestellt, das einen sehr eigenen Weg durch die blutigen Rache-Landschaften der ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 4
von Franz Wille
Nein, «Pommerat» ist keine Champagnermarke. Es klingt nur so. Joël Pommerat kommt auch nicht aus Reims, sondern aus Roanne am Zentralmassiv, wo er 1963 geboren wurde. Sec und gelegentlich extra brut sind seine Stücke, und seit einer Weile ist Pommerat auch so was wie eine Marke im hexagonalen Theaterbetrieb. Seine Theatertexte und Inszenierungen zeigen sich...
Der Regisseur hatte so eine Ahnung. Als der Schauspieler auf der Probe schlapp machte, schickte er seinen quirligen Assistenten hinauf, der sich mit Verve in die Szene schmiss, und dem Regisseur stand der Mund offen. Der Regisseur war Gerd Heinz, und der gedrehte Assistent Hans Christian Rudolph, Spross einer gerühmten Theaterfamilie. Schluss mit Regie also. Dafür...
Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der...
