Die letzten Vermächtnisse der Menschheit

Nürnberg Staatstheater, Kammerspiele: Wolfram Lotz «Einige Nachrichten an das All»

Theater heute - Logo

Es ist schön, dass Markus Heinzelmann seine jahrelang in Jena geschärfte Lust an der hemmungslosen dramatischen Übertreibung nun wieder öfters auch an anderen Stadttheatern ausleben darf. Wolfram Lotz’ «Einige Nachrichten an das All» kommen da gerade recht, und Heinzelmann greift in die volle Absurditäten-Kiste, lässt es ohne Rücksicht auf Geschmacksverluste ordentlich krachen in diesem Spiel über die ziemlich überschätzte Bedeutsamkeit des menschlichen Daseins.

Es macht ja gar keinen Sinn, hier erst lange nach einem solchen, zumal noch tieferen zu suchen.

Lotz will uns nur zeigen, dass alles längst zu spät ist: «Wir befinden uns in einer Explosion, Ihr Ficker.» Die Erde ist also unbewohnbar wie gewohnt, ob das noch irgendjemandem in diesem Universum interessieren könnte, ist zweifelhaft. Gleichwohl gebietet die Jahrtausende eingeübte Überheblichkeit der Selbst-Gekrönten dieser Schöpfung es, alle Außerirdischen zumindest ein letztes Mal zu grüßen und ihnen ein Erbe unserer sagenhaften Intelligenz, Beispiele unserer geistig-moralischen Errungenschaften zu hinterlassen.

Das Theaterumfeld (Lotz schlägt die Atmosphäre eines Foyers vor, in dem grausam ernsthaft ein Krippenspiel, also ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Alle Kater sind grau

Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschie­nen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell...

Spielen bis zum großen Knall

Ankommen, Runterkommen, Wer-kennt-Wen-Geschnatter und Schneematsch draußen lassen – wer das nicht ganz schafft, den bringt Geumhyung Jeong mit ihrer sanft autoritären Präsenz dazu: Die südkoreanische Performerin beherrscht die Kunst der Zeitlupe in Zeitlupe. Wenn sie so den weiten leeren Raum durchquert, breitet sich eine kühle Konzentriertheit aus, ein Kosmos mit...

Viele Dramen, wenig Drama

Wer die steirische Landeshauptstadt mit dem Flugzeug ansteuert, landet auf dem Flughafen Graz-Thalerhof. Vor hundert Jahren befand sich hier ein «k.k. Internierten-Lager», zwischen 1914 und 1917 wurden hier insgesamt etwa 30.000 großteils ruthenische Bürger der Habsburger-Monarchie festgehalten – meist auf den bloßen Verdacht hin, mit Russland zu sympathisieren....