Viele Dramen, wenig Drama

Graz Schauspielhaus: Andrzej Stasiuk «Thalerhof», Yael Ronen «Niemandsland»

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Wer die steirische Landeshauptstadt mit dem Flugzeug ansteuert, landet auf dem Flughafen Graz-Thalerhof. Vor hundert Jahren befand sich hier ein «k.k. Internierten-Lager», zwischen 1914 und 1917 wurden hier insgesamt etwa 30.000 großteils ruthenische Bürger der Habsburger-Monarchie festgehalten – meist auf den bloßen Verdacht hin, mit Russland zu sympathisieren. Wegen der katastrophalen hygienischen Verhältnisse im Lager kam es zu einer Typhusepidemie mit über 1700 Toten.

Die dunkle Vergangenheit des Flughafengeländes war lange Zeit in Vergessenheit geraten, erst in den letzten Jahren wurde das verdrängte Proto-KZ wieder zum Thema. Dass das Schauspielhaus Graz hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ein Stück über das Lager von Graz-Thalerhof in Auftrag gab, lag also nahe. Auch die Wahl des Autors erschien logisch: Der polnische Literaturstar Andrzej Stasiuk («Die Welt hinter Dukla») lebt im Südosten Polens, an der Grenze zur heutigen Ukraine. Genau in dem Gebiet also, aus dem die meisten Deportierten stammten.

Zwischen Polen und Thalerhof, zwischen damals und heute hat Stasiuk das Drama angesiedelt. Auf einem Soldatenfriedhof in den polnischen Karpaten steigen die Soldaten hundert ...

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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Wolfgang Kralicek

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