Alle Kater sind grau
Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschienen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell am Arbeitsplatz genötigt). «Was hat denn das mit Verdi zu tun?», rief einer. Dabei lässt sich mindestens das ganz gut sagen.
Verdi hat Shakespeares Königsmorddrama bekanntlich in Richtung der Lady Macbeth zugespitzt und den Hexenchor gestärkt, hat mithin mehr weibliche Triebkraft hineingelegt, am Schluss auch mehr Leidenswahn. In der Deutung von Volker Lösch steckt in dem Wirken eine Reaktion auf die Ausstoßung aus der Männerwelt, ein Aufbegehren gegen patriarchale Gewaltherrschaft. In Masken der Pussy Riots umtanzen die Hexen zum Auftakt einen kolossalen Strohpenis.
Aus ihrem Rund tritt Lady Macbeth heraus, um bald Macbeth zum Mord an König Duncan aufzufordern, damit das Männersystem an seiner immanenten Aggression zugrunde gehe. Die Hexen sind «Geburtshelfer» des Blutgedankens, wie Löschs Dramaturg Volker Schnabel im ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Christian Rakow
Wer Marie NDiayes «Drei starke Frauen» gelesen hat, wird keine übertriebenen Migrationshoffnungen in Richtung Europa mehr hegen. In der ersten der drei Geschichten kehrt eine strebsame französische Anwältin, Imigrantin der zweiten Generation, zu ihrem Vater nach Algerien zurück, den sie verachtet, ohne sich seiner zermürbenden Anziehungskraft erwehren zu können. In...
Noch einen Tag vor der Premiere machte das Gerücht die Runde, man habe sich bei Leander Haußmanns «Hamlet» auf viereinhalb Stunden Dauer einzustellen. Dreieinhalb waren es dann am Premierenabend tatsächlich. Welcher 60-Minuten-Block ließ sich wohl so folgenlos kurzfristig entfernen?
Gut möglich, dass es «Die Mausefalle» war, das Stück im Stück, das Hamlet...
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Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 55. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber: Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion: Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Mitarbeit: Marion Schamuthe
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