Das gestürzte Idol
Die zuhauf in Zellophan verpackten Blumensträußchen, mit denen das Ehepaar Tesman im seinem neuen Haus begrüßt wurde, erinnern an die Mitbringsel trauernder Massen, niedergelegt zum Gedenken an eine zu Tode gehetzte, sich müde getanzt habende Prinzessin oder an in den Pop-Himmel aufgefahrene Stars.
Ist vielleicht auch Hedda Gabler ein solch früh geendetes Idol, bewundert und verkannt von den Männern und Frauen ihrer Umgebung, ihren Regisseuren und Zuschauern?
Womöglich birgt dies die wesentliche Einsicht von Karin Neuhäusers Inszenierung am Schauspiel Köln: Sie stürzt das Idol und richtet eine Frau in ihrem unlebbaren Widerspruch auf. Nach dem Knall, mit dem sie sich aus dem Leben geschossen hat, ertönt ein offensives Lachen Heddas – sie tritt nach vorn, verbeugt sich und nimmt den Applaus ihrer Bewunderer entgegen. Nur eine Sch(l)uss-Pointe – oder nicht vielmehr Demonstration einer über den Tod hinaus friedlosen Untoten, deren Verächtlichkeit und Rachegefühl für eine Welt, in der sie und an der sie ihr eigenes Ungenügen nicht mehr erträgt, ihr keine Ruhe lässt?
Neuhäuser hat einen zugleich milden und geschärften Blick auf die Figuren. Die werden einem nicht sympathischer, aber ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Andreas Wilink
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Über Heiner Müller schreiben, heißt, über einen Verlust schreiben. Heiner Müller, der große deutsche Dichter, dem der Zweite Weltkrieg und die DDR historische Prägung waren, hat uns Texte von ungeheurer Wucht geschenkt, mit Figuren, durch die der Riss der gebrechlichen Einrichtung der Welt geht.
Auf den deutschen Bühnen kommen seine Texte viel zu selten vor. Nach...
Der Tod steht vor der Tür, hält seine Hand auf, ich schweige. Ich schaue hinter mich, alles voller Licht und Erregung, die Dinge, die ich nicht getan habe, die, die ich dabei immer gern getan hätte – das Leben im Konjunktiv, denke ich, in gebeugter Form. Der Tod wird ungeduldig – ich halte seinen kalten Blick, lächle und höre mich sagen: Komm morgen wieder, morgen,...
