kein ausreisen kein einreisen – der ewige auftrag
Der Tod steht vor der Tür, hält seine Hand auf, ich schweige. Ich schaue hinter mich, alles voller Licht und Erregung, die Dinge, die ich nicht getan habe, die, die ich dabei immer gern getan hätte – das Leben im Konjunktiv, denke ich, in gebeugter Form. Der Tod wird ungeduldig – ich halte seinen kalten Blick, lächle und höre mich sagen: Komm morgen wieder, morgen, wenn ich alles getan habe, morgen, wenn die Erregung nicht mehr peitscht, das Licht sich beruhigt.
Warum ich Heiner Müller vermisse – warum er noch da sein sollte – ich weiß es, ich weiß es nicht. Er ist tot. Punkt.
Er ist dort gestorben, wo er war in den Neunzigern. Wie kann man weiter trinken, wenn der Krebs frisst, wie weiter rauchen – man kann.
Ich nahm einen Stift, der schrieb: WIE TOT IST MAN IN DER LEGENDE IN DER MAN LEBT WENN MAN NOCH LEBT? Ich war wütend, als er starb, auch verzweifelt – ich ahnte Zerstörung, doch das Selbst hatte sich dazu noch nicht eingefunden. Auch wusste ich, dass meine Beziehung nicht halten würde – damals –, dass der Sohn einen anderen Vater bekäme, den weggegangenen.
Vielleicht, weil er all das lächerlich überflüssig Süße aus den Worten, Stämmen epilierte.
Vielleicht, weil er nie ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Heiner Müller, Seite 13
von Sebastian Hartmann
Hauptmanns Dachboden in den «Ratten» hat einen doppelten Boden: den der sozialen Tragödie und den der ästhetischen Debatte. Das macht das Stück so attraktiv. Man kann barmende Mitleidsdramatik darin ebenso unterbringen wie deftige Selbstveralberung des Theaters. Volker Löschs Düsseldorfer Inszenierung potenziert diese Gespaltenheit des Stückes noch, weitet die...
November 2014. In zwei Wochen beginnen die Proben zu «Zement» von Heiner Müller am Maxim Gorki Theater. Dieser Stoff war ein Vorschlag des Hauses, den ich mit Freude angenommen habe. Also musste ich «Zement» wieder lesen und war einigermaßen gespannt darauf, welche Relevanz der Text jenseits seiner ästhetischen Qualität jetzt, genau 25 Jahre nach dem Mauerfall,...
Die Brandstifter sind unter uns. Ihr Werkzeug verteilt sich im Laufe des Abends über die ganze Bühne: Unmengen von kleinen Hölzchen, nur ohne rote Köpfchen – symbolisch leicht entschärfte Streichhölzer, die sich, erst wie ein Teppich aufgeschüttet, immer mehr im Raum verstreuen. Echte Zündhölzer dürften in dieser Masse wahrscheinlich sowieso nicht ins Theater –...
