Insekt in Bernstein

Müllers Texte bleiben Zumutungen für Spieler und Publikum

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Über Heiner Müller schreiben, heißt, über einen Verlust schreiben. Heiner Müller, der große deutsche Dich­ter, dem der Zweite Weltkrieg und die DDR historische Prägung waren, hat uns Texte von ungeheurer Wucht geschenkt, mit Figuren, durch die der Riss der gebrechlichen Einrichtung der Welt geht.

Auf den deutschen Bühnen kommen seine Texte viel zu selten vor. Nach dem Tod Di­miter Gotscheffs bleiben nur wenige Ketzer, Frank Castorf ist einer von ihnen, und die kleinen Theater in Ostdeutschland, die Müllers Texte sich und uns noch zumuten.

Müller, der sein Leben lang auf der Basis einer Grunderfahrung schrieb – «Meine Grund­erfahrung war: Staat als Gewalt» –, floh nach dem Ende der DDR vom Schreiben ins Reden, warf in bis heute legendären Interviews und Talkshows der gesamtdeutschen Bundesrepublik Bonmots hin und be­endete keinen einzigen dramatischen Text mehr, ein einsamer Hofnarr am Kuscheltisch der neudeutschen Eliten. So verstummten seine Texte auf der Bühne, während wir nicht aufhören konnten, über sie zu reden, auf dass unser Gefasel seine Texte übertöne, übermale und schließlich auslösche.

In einer Zeit, in der die Wahlbeteiligung so niedrig ist, wie es sich die Nomenklatura ...

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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Heiner Müller, Seite 10
von Bibiana Beglau/Angela Obst

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