Das Ende der Kronprinz-Rudolf-Äpfel

Die Geschichte wiederholt sich nicht. Peter Handke hat ein neues Stück geschrieben, Claus Peymann inszeniert, und Karl-Ernst Herrmann baut die Bühne: «Spuren der Verirrten»

Theater heute - Logo

Was ist das nur für ein allerliebstes Bühnchen, das Karl-Ernst Herrmann da auf die Bühne des BE gestellt hat, ehe Handkes neues Stück überhaupt losgeht! Wie eine Spielzeugschachtel steht das Bühnenmodell, sorgfältig ausgeleuchtet, nahe der Rampe. Es steckt voller Bäumchen, und eine Mini-Allee führt in seine Tiefe. Auch zwei Wanderer-Puppen sind darin zu erkennen. Sie kehren uns den Rücken, als wollten sie die Waldstraße entlang stapfen, zwei Hänschen­kleins, unterwegs in die weite Welt hinein.

Doch dann tritt der erste leibhaftige Theater-Hansl dieses Abends auf.

Er trottet an die Rampe mit Stock und Hut, einen grünen Apfel und allerlei Manuskriptblätter hat er auch dabei, und lässt sich in einer ausgesägten Spalte am Bühnenrand nieder, als wolle er den Souffleur spielen oder den Regisseur am Probenpult. Er verkündet aber, seine Rolle sei es zuzuschauen, und jetzt gehe es los. Sofort erlischt das Licht im Bühnchen auf der Bühne, die kleine Zauberschachtel versinkt spurlos und still. Sie war halt nur ein Rätselgruß, ein Selbstzitat Karl-Ernst Herrmanns, der schon so manches Weltwanderer- und Lebenspilger-Spiel Peter Handkes mit anmutigen Emblemata bestückt hat.

Die Anmut ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2007
Rubrik: Neue Stücke, Seite 34
von Sigrid Löffler

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf Pointe verzappelt

Britischer Humor ist einer der bes­ten Exportartikel Englands. Die Comedy-Kultur blüht seit Jahrzehnten, und ein guter Stand-Up-Comedian hat in England Rock-Star-Status und ebensolche Einnahmen – manch einer füllte schon das Wembley-Stadion. Womit man eigentlich zufrieden sein könnte. Kurios also der Trend, dass nicht wenige Stand-Ups das Bedürfnis verspüren, sich...

Kämpfe zwischen Graben und Bühne

Was ist los in Stuttgart? Ein grüner Kobold hüpft krakeelend über die Bühne. Will er Operngäste nerven, Ideen repräsentieren, Intensität schüren? Und was läuft da in Berlin? Eine nackte Schönheit balanciert in Wilsonscher Langsamkeit an einem vielbeinigen, auf einer Treppenkonstruktion untergebrachten Alte-Musik-Ensemble vorbei. Gab wohl sonst nicht viel zu sehen...

«Alles ist erzählt – und dann kommen noch zehn Minuten Musik»

Theater heuteHerr Puhlmann, Sie eröffnen in Stuttgart Ihre Inten­danz an der Oper mit dem Regiedebüt eines bisher nur aus dem Schauspiel bekannten Regisseurs, Sebastian Nübling, und Bizets «Carmen». Das ist ohne Zweifel mutig. Was macht Schauspielregisseure für die Oper interessant?

Albrecht PuhlmannDie Entscheidung für diesen Regisseur und die Bühnenbildnerin...