Chaos und Kanon
Marcel Proust hat einmal staunend über ein Hotel geschrieben, es sei eingerichtet gewesen «wie ein Theater», und «zahlreiche Komparserie» hätte es belebt. Im Erlanger Theater liegt der Fall genau anders herum: Da sieht man auf der Bühne einen Logierbetrieb, die Gäste im Parkett wirken wie voyeuristische Statisten, vor denen ein paar wild zusammengewürfelte Menschen im Hotel mit ihren ziemlich unbedeutenden Geschichten Leben und Verwechslungen in die Bude bringen wollen.
«Onyx Hotel» heißt die propere Absteige, die dem Auftragswerk, das als «Musiktheater» firmiert, den Titel gibt: Alexander Kukelka hat die Noten, David Gieselmann den Text dazu geschrieben – herausgekommen ist ein flotter Kurzaufenthalt zwi-schen Betten, Bad und Rezeption, zwischen Anspruch und Absprung, zwischen Einchecken und Ausflippen. Eine simpel gestrickte Soap-Opera mit mitunter lästigem Gesang, der der eingängigen Komposition ziemlich vergeblich aus den Niederungen inhaltlicher Belanglosigkeit zu verhelfen versucht.
Der Onyx-Stein symbolisiert gemeinhin schreckliches Unheil; war-um der Name des Minerals hier auftaucht, bleibt unergründlich. Denn die Problemchen, mit denen sich sechs Menschen simultan in den ...
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Unter Elisabeth Schweeger ist das Frankfurter Schauspiel in den letzten Jahren ausgesprochen projektlustig geworden. Die Verpflichtung der französischen Choreografin und Theatermacherin Wanda Golonka als Hausregisseurin war dabei programmatisch, denn mit Golonka leistet sich Schweeger die konzertierte Abweichung. Normalen Spielbetrieb sucht man in ihren...
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Zum Showdown kommt es vor dem allerletzten Akt. Die geladenen Gäste aus Alemanha sind da längst wieder in der Heimat gelandet, und sie haben dem theatralischen Ausflug in die allertiefste, allerheißeste Fremde ziemlich viel Echo verschafft. Erst jetzt, im zweiten Anlauf wenige Tage nach der auch schon leidlich umstrittenen Premiere von Christoph Schlingensiefs...
