Wenn weiße Hemden fliegen

Wanda Golonka «Erzählung des Gleichgewichts 4. W» Frankfurt

Theater heute - Logo

Unter Elisabeth Schweeger ist das Frankfurter Schauspiel in den letzten Jahren ausgesprochen projektlustig geworden. Die Verpflichtung der französischen Choreografin und Thea­termacherin Wanda Golonka als Hausregisseurin war dabei programmatisch, denn mit Golonka leistet sich Schweeger die konzertierte Abweichung. Normalen Spielbetrieb sucht man in ihren Installationen, Performances und Inszenierungen meist vergeblich.

Mehr noch als ihre jüngeren Kollegen, die sich in der Außenspielstätte Schmidtstraße austoben dürfen, befragt sie das Theater immer wieder nach seinen Mitteln, Möglichkeiten und Materialien. Und nach seinen Orten – wahrscheinlich kennt inzwischen kaum jemand die Räumlichkeiten des Schauspielhauses und den Grad ihrer Bespielbarkeit besser als Wanda Golonka. In dieser Spielzeit hat sich die Regisseurin für ihre experimentelle Aufführungsserie «EINLADEN» auf die andere Mainseite nach Sachsenhausen in ein kleines Ladengeschäft abgesetzt, um nun aber kurz vor Saisonende doch ins Haupthaus zurückzukehren und mit «Erzählung des Gleichgewichts 4.W» ein neues Projekt und eine neue Irritation zu präsentieren. 

Auf den ersten Blick geht es dabei ganz konventionell zu: Das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2007
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Kristin Becker

Vergriffen
Weitere Beiträge
The "Struggle" is over

Im vergangenen Jahr feierte Athol Fugard, der international gespielte Altmeister des südafrikanischen Theaters, seinen 75. Geburtstag mit einem neuen Stück, «Booitjie & Oubaas» (etwa: Jungchen und Altbauer), in der Regie der erfahrenen Janice Honeyman und mit dem herausragenden Marius Weyers in der Rolle des siechen Alten. Das rührende, wenn auch nicht...

Außen hui, innen pfui

Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das...

Kunst und Handel

Helmut Krausser ist ein Vielschreiber mit Furor und einer oft übersehenen sentimentalen Ader. In «Afrika» schildert er die Kunstszene als das kapitalistische Prinzip schlechthin: Künstler sind hier die Anschaffer, die Welt macht sie käuflich, und alle, fast alle, machen mit.

Im Mittelpunkt steht die zynische Lucy, Mitte 50, im Begriff, ihre Galerie an einem neuen...