Outsourcing der Gefühle
Die besondere Qualität von Jugendwerken liegt nicht selten in der Vehemenz, ja Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein einmal gesetztes Ziel verfolgen.
Im Fall von Heinrich von Kleists Schauerstück «Die Familie Schroffenstein» scheint es, der Autor wolle den inhärenten Schrecken der Liebe mit den kruden Schrecknissen einer feindlichen Umwelt wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, so überdimensioniert wirken die Brocken aus Väterhass, blindem Misstrauen, Hexenglauben und blutrünstiger Rachsucht, die er in seinem Erstling aus dem Jahr 1802 auf das zarte Pflänzchen einer unschuldigen Teenagerliebe donnern lässt. Dass Kleist dem eigenen Werk dennoch nicht verbissen gegenüberstand, zeigt ein Brief an seine Lieblingsschwester Ulrike: «Auch tut mir den Gefallen und leset das Buch nicht. Ich bitte Euch darum. Es ist eine elende Scharteke.»
Trotz dieses nachvollziehbaren Selbstzweifels des Autors ist das schroffe Stück nie ganz von den Spielplänen verschwunden, steht es doch in dem unverwüstlichen Ruf jugendlich-genialischer Radikalität. In der jüngsten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen interessiert man sich dabei in erster Linie für die unheilvolle Verquickung von ...
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1971 sah ich die «Mothers Of Invention» in der Hamburger Musikhalle. Frank Zappa hatte das alte Ensemble aus hochmusikalischen und monströs-kostümierten kalifornischen Freaks fast komplett ausgetauscht und teilweise durch Mitglieder der verblassten Folk-Pop-Truppe «The Turtles» ersetzt. Im Mittelpunkt standen nun deren ehemalige Sänger Marc Volman und Howard...
Die Schlacht beginnt mit offenem Visier: Walter Schmidinger tritt hinter einen Notenständer und liest Schillers klappernden Prolog. Jedwedes Rhythmusproblem wird mit Nichtachtung gestraft, der Text demonstrativ melodisch gesungen. Der alte Mime legt schmelzendes Timbre unter jeden Vers, schwingt ausholend die schon zitternde Hand und geht nach zehn süßlichen...
Zum Showdown kommt es vor dem allerletzten Akt. Die geladenen Gäste aus Alemanha sind da längst wieder in der Heimat gelandet, und sie haben dem theatralischen Ausflug in die allertiefste, allerheißeste Fremde ziemlich viel Echo verschafft. Erst jetzt, im zweiten Anlauf wenige Tage nach der auch schon leidlich umstrittenen Premiere von Christoph Schlingensiefs...
