Authentizismus und Verzweiflung
1971 sah ich die «Mothers Of Invention» in der Hamburger Musikhalle. Frank Zappa hatte das alte Ensemble aus hochmusikalischen und monströs-kostümierten kalifornischen Freaks fast komplett ausgetauscht und teilweise durch Mitglieder der verblassten Folk-Pop-Truppe «The Turtles» ersetzt. Im Mittelpunkt standen nun deren ehemalige Sänger Marc Volman und Howard Kaylan, die sich «The Phlorescent Leech & Eddie» (später «Flo & Eddie») nannten und die man sich als eine frühe Version des bekannten Kiffer-Komiker-Duos Cheech & Chong vorstellen kann.
Volman und Kaylen waren die ersten Pop-Musiker, die ich gesehen habe, die auf der Bühne Rollen spielten.
Im Mittelpunkt von Zappas 71er Tour stand eine aus einer Reihe von Sketchen bestehende, zusammenhängende, etwas öde Macho-Geschichte von einer tourenden Rockband und ihren Erlebnissen mit Groupies und Drogen, mit Motels und der Musikindustrie. Diese Story wurde allerdings mit Enthusiasmus gespielt, nicht nur gesungen, sondern auch in gesprochenen Dialogen, manchmal mit Begleitung durch die Rhythmusgruppe vorgetragen, und es war klar, dass Volman und Kaylan nicht im eigenen Namen sprachen, sondern Rollen spielten. Dieses Rollenspiel in ...
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Theater heute Juli 2007
Rubrik: Posen und Performance, Seite 12
von Diedrich Diederichsen
Wenn du Probleme hast, ruf nicht die Polizei, ruf lieber die Räuber, heißt es in einem Samba von Chico Buarque. Damit wäre das Imageproblem der brasilianischen Polizei ziemlich klar umrissen. Würde man jeden der zehneinhalb Millionen Bewohner São Paulos nach seinen persönlichen Kollisionen mit der Staatsgewalt fragen, bekäme man wahrscheinlich an die dreißig...
Die rückstandlose Verbühnung der epischen Literatur ist nicht mehr aufzuhalten. «Die Buddenbrooks» und «Der Zauberberg», «Der Idiot» und «Schuld und Sühne», «Elementarteilchen» und «Der Mann ohne Eigenschaften», nichts ist vor dem Zugriff gewiefter Dramaturgen sicher; der Einwand, der Autor habe sich ja vielleicht etwas dabei gedacht, als er diese und nicht eine...
Irgendwo hat man den Mann schon einmal gesehen. Wahrscheinlich in einem dieser New-York-Filme, in dem der Chefredakteur in einer Kabine am Ende des Großraumbüros residiert. Dort sitzt er am Schreibtisch, das Hemd frisch gebügelt, den Knopf am Hals offen, darüber Hosenträger wie Larry King, und blickt seinem gegenüber hart-aber-herzlich in die Augen. Ehrliche...
