Bonn: Kunstkampflust
Künstlerpaare regen die Fantasie an. Besonders mythenumflort ist die Beziehung zwischen Camille Claudel und Auguste Rodin, denn sie kündet von Leidenschaft und Tragik zugleich. Besessen von der Bildhauerei, stachelten sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und revolutionierten das Kunstverständnis ihrer Zeit. Bekanntlich ging die Geschichte nur für ihn gut aus: Nach der Trennung von Rodin schuf Claudel zwar großartige Kunstwerke, starb jedoch vergessen und verarmt in der Irrenanstalt, er hingegen wurde als ruhmreicher Künstler bereits zu Lebzeiten gefeiert.
Zu den zahlreichen filmischen und literarischen Bearbeitungen dieses Stoffes gesellt sich nun eine dramatische. In einem verschlungenen Sprachspiel verhandelt Anja Hilling chronologisch die Liebes- und Leidensgeschichte der beiden Ausnahmetalente: Von der ersten Begegnung der neunzehnjährigen Claudel mit dem über zwanzig Jahre älteren Rodin in seinem Atelier, über die intensiven gemeinsamen Schaffensphasen bis hin zu Claudels letzten Jahren in der Anstalt. Dabei identifiziert sich Hilling eindeutig mit Claudel und befragt über sie auch die Position der Künstlerin in der heutigen Zeit. Ein Brückenschlag, der ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
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