Berlin: Unter Opfern
Wie konnte das nur passieren? Irgendwo «in Syrien» ist Fabian den «Märtyrertod» gestorben. Ein sensibler Junge aus Deutschland, der nach der Trennung der Eltern mit seiner überforderten Mutter aufs Land ziehen musste und seinen desinteressierten Vater vermisst, dessen erste (Ex-) Teenagerfreundin zu seinem Kummer das gemeinsame Kind abgetrieben hat und der am liebsten mit seinem «Kifferfreund» in den brasilianischen Dschungel ausgewandert wäre, um dort die größtmögliche Alternative zum bundesrepublikanischen Alltag mit Schule, Stress und Sinndefizit zu leben.
So weit, so Grips-typisch: Bei Fabian, den Florian Kroop als aufreizend bleiches Gespenst mit ergrautem Haar und riesigem Blutfleck in Herzhöhe spielt, hätten auch Sektenführer, Drogendealer und Online-Games leichtes Spiel gehabt. Die Hassprediger des Islamischen Staats waren am schnellsten.
Doch der Regisseur und Stückautor Yüksel Yolcu hat noch ein ganz anderes As im Ärmel, nämlich die Rechte an Jürgen Todenhöfers Reportage-Bestseller «Inside IS – zehn Tage im Islamischen Staat». Während der Imam Ilhan (Asad Schwarz), der rückkehrende Syrienkämpfer resozialisiert, in Gesprächen mit Eltern, Lehrern, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
von
Big Brother is watching you: Im Wohnzimmer der Familie Tyrone im Hamburger Schauspielhaus hängt ihr Erfinder, der amerikanische Nobelpreisträger Eugene O’Neill, im schlichten Rahmen an der Wand, neben einem bescheidenen Kruzifix und umringt von seinen verfluchten Lieben, einer Theaterfamilie, die ihm das schwere Gepäck mit auf den Weg gab, das er 1920 in «Eines...
Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben...
Die berühmte Eingangswendung des Dramas ist ausgespart: «Das Land der Griechen mit der Seele suchend», sowas kommt dieser Iphigenie nicht mehr in den Sinn. Auf hohem Podest steht sie, die verschollene Tochter des Troja-Fahrers Agamemnon, die als Priesterin auf Tauris Unterschlupf gefunden und dem eingeborenen Volk das Menschenopfer abgewöhnt hat.
Heimkehr,...
