Wodka und Whisky

Vom Alk befeuert geht am Hamburger Schauspielhaus Karin Henkel auf eine «Reise ans Ende der Nacht», Viktor Bodo kompiliert Gogol-Texte zur «Pension zur wandernden Nase»

Theater heute - Logo

Big Brother is watching you: Im Wohnzimmer der Familie Tyrone im Hamburger Schauspielhaus hängt ihr Erfinder, der amerikanische Nobelpreisträger Eugene O’Neill, im schlichten Rahmen an der Wand, neben einem bescheidenen Kruzifix und umringt von seinen verfluchten Lieben, einer Theaterfamilie, die ihm das schwere Gepäck mit auf den Weg gab, das er 1920 in «Eines langen Tages Reise in die Nacht» bei den Tyrones ablud.

Die autobiografische Grundierung des Werks war Regisseurin Karin Henkel so wichtig, dass sie Felix Knopp, der den gescheiterten Schauspielersohn Jamie spielt, aus der Rolle treten lässt und das Mikro in die Hand drückt, um die gruselige Selbstmord- und Drogengeschichte der Künstlerfamilie O’Neill zu referieren. Befeuert vom Alleszudecker und Allesenthüller Whisky erzählt O’Neill deren Geschichte von verdeckter Schuld, unüberwindbarer Sucht, von Konkurrenz und Unentrinnbarkeit weiter in eine Familienhölle, in die ihm später Tennessee Williams und Edward Albee ausgiebig folgten.

In Hamburg werden die Zuschauer höchstpersönlich ins Innere der Hölle gebeten: auf die Bühne, ins Riesenwohnzimmer, das Thilo Reuther den Tyrones dorthin gebaut hat. Um den ausladenden Esstisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Oldenburg: Geliebte Blutgräfin

Nino Haratischwili ist eine Erzählerin, auf eine etwas aus der Zeit gefallene Weise. Eine Autorin, die gekonnt Mythos, Zeitgeschichte, persönliches Empfinden mit stringentem narrativen Gespür verbindet. Mal bremst sie ihre Fabulierlust mit Ironie ab, mal zieht sie das Tempo mit bewusstem Einsatz von Drastik an, deutlicher noch in ihren hochgelobten und...

Impressum

Theater Heute

Die Theaterzeitschrift
im 57. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...

«Wir gehören zu Europa, zum Westen»

Andrzej Wajda: Ich habe nicht viel Zeit, verstehen Sie. Wer 90 ist, ist ein alter Mann. Deswegen beeile ich mich und denke schon an den nächsten Film. Solange ich stehen kann, ausreichend Kraft habe, um mich beim Filmteam durchzusetzen, solange werde ich drehen. 

Donata Subbotko: Hatten Sie vor, so alt zu werden?
Wajda: Nein. Als der Krieg zu Ende ging, war ich 19,...