Das erschütterte Ich
Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben beschrieben werden kann. Schreiben ist deshalb neben vielem anderen auch eine Möglichkeit, sich vor der Welt in Sicherheit zu bringen. Oder?
Ach, man kann auch schreibend jede Menge Mist bauen.
Kurz vor der Jahrtausendwende hackte Thomas Melle zusammen mit einem Freund ein Literaturblog, ein Studentenspaß, schrieb unter den Namen fremder Autoren, sprengte so «Am Pool» und fand sich mitten in seinem ersten manischen Schub wieder. Es war der erst später bewusst als solcher realisierte Auftakt einer heftigen, stellenweise lebensgefährlichen manisch-depressiven Erkrankung, deren Verlauf er in seinem jüngsten Buch «Die Welt im Rücken» zu rekonstruieren versucht: «Ich bin zu einer Gestalt aus Gerüchten und Geschichten geworden. (…) In meinen Büchern ist es unauslöslich eingesickert. (…) Die Fiktion muss pausieren (und ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 54
von Eva Behrendt
Eine Halfpipe füllt die Bühne des Kleinen Hauses in Dresden. Ein Rangelplatz (von Markus Pötter) zwischen zwei Polen, links die Montagues, rechts die Capulets, in der Mitte, vielleicht: ein Common Place. Die Montagues heißen Rouni, Ibrahim, Ahmad und Ali, lauter Jungs mit dunklen Haaren und breitbeinigem Gang. Auf der anderen Seite der Senke stehen Tabea,...
Daten
Aachen, Grenzlandtheater
15. Clark und Goodall, Love Story
R. Ulrich Wiggers
Aachen, Theater
2. Greig, Die Ereignisse
R. Ludger Engels
Baden-Baden, Theater
18. Murray-Smith, Switzerland
R. Odette Bereska
Bamberg,
E.T.A.-Hoffmann-Theater
31. Labiche, Das Sparschwein
R. Ronny Jakubaschk
Basel, Theater
10. Tschechow, Drei Schwestern
R. Simon Stone
Berlin...
Erinnert sich noch jemand an Werner Schwab? Den Grazer Radikaldramatiker Anfang der Neunziger, der wie Phönix aus der steirischen Asche stieg, in drei Jahren anderthalb Dutzend Stücke schrieb und sich in der Silvesternacht 1994 35-jährig zu Tode trank? Gelegentlich stehen noch seine «Präsidentinnen» auf einem Spielplan als unkaputtbare Klokomödie mit drei...
