Auf die Grenzen, fertig, los!
So viel Wehmut und Euphorie war selten wie letzten Sommer, als Johan Simons nach fünf kurzen Spielzeiten die Münchner Kammerspiele Richtung Ruhrtriennale verließ. Und selten gab es so viel wild oszillierende Debatten um einen neuen Theaterdirektor in der Stadt wie zum Amtsantritt seines Nachfolgers Matthias Lilienthal – lange bevor auf der Bühne selbst überhaupt irgendetwas zu sehen war.
Das Ende des Ensembletheaters wurde vorsorglich eingeläutet, der Einzug neoliberaler Adressbuch-Dramaturgie beklagt und die Umwandlung der traditionsreichen Kammerspiele in eine berlinerisch angeranzte Eventboutique befürchtet. Die orangenen T-Shirts und Schlabberjeans, in die sich Lilienthal nun mal gerne hüllt, waren wochenlang Stadtgespräch, und die Bezeichnungen «Edelpenner» und «Straßenköter» klebten wie vergessene Preisschildchen am leicht verruchten Image des Auserwählten.
Nun wohnt dem Anfang von Intendanzen meist kein Zauber inne, sondern vor allem aufgeputschte Erwartungshaltungen, gepaart mit einer Portion lauerndem Katzenjammer nach dem Guten, Alten, Gewohnten, eine Art unvermeidliches Spießrutenlaufen vor den (bisherigen) Freunden des Theaters und der Presse, das jeder hinter sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
1./Dienstag
13.55, arte: Der Stadtneurotiker
Spielfilm (USA 1977) von Woody Allen
mit Woody Allen, Diane Keaton,
Tony Roberts, Carol Kane, Shelley Duvall, Christopher Walken u.a.
2./Mittwoch
20.15, das Erste: Unter der Haut
Fernsehfilm (Deutschland 2015) von
Friedemann Fromm mit Bibiana Beglau, Friedrich Mücke, Karoline Schuch,
Ulrich Gebauer u.a.
4./Freitag
13.55,...
Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat....
Irgendwann werde ich einmal gehen müssen, hinaus oder hinüber», steht im liebevoll gestalteten Begleitbüchlein, das der Besucherin am Eingang zu Anna Peschkes Installation «Ophiopogon» in die Hand gelegt wird. «Dann wird es vielleicht dieses kleine berylgrüne Heftchen sein, das ein paar Menschen den Zugang zu meinen Welträumen ermöglicht. Sie können hierher...
