E wie Euro Gorki

«Wassa Schelesnowa», Müller «Hamletmaschine» am Wiener Burgtheater

Theater heute - Logo

Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat. Für die Bewohner dieses Hauses ist es Unterschlupf und Kletterwand und natürlich Spielwiese für ihre Boshaftigkeiten und Gemeinheiten, ihre Liebeshändel und Tagträume.

Das Sinnbild einer aus dem Gleichgewicht geratenen Familie.

Seitdem der Patriarch des Hauses im Sterben liegt und die Macht der Familie in die Hände seiner Frau Wassa Petrowna Schelesnowa übergegangen ist, werden auch die Kräfteverhältnisse neu geordnet. Es geht um Geld und um Schulden, um die Zukunft der Torffabrik und jene ihrer Betreiber. Noch kreist dieser Familienverband in erster Linie um sich selbst, doch die Verhältnisse, die sich draußen in einer klirrenden Winterlandschaft bedrohlich abzeichnen, werden auch dieses Gefüge bald durcheinander bringen.

1910 hat Maxim Gorki die erste Fassung von «Wassa Schelesnowa» geschrieben, noch vor jener ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 69
von Stephan Hilpold

Weitere Beiträge
rechtes denken

jasmin
püppi
casper
bertram

vati
mutti
peter

bürger
leviathan
anderer leviathan
behemoth
mensch auf der flucht/flüchtling
mensch der anders ist

johanna
asasel





I

love 1


bertram irgendwo da rennt die temporalis-ader, wenn die getroffen wird, das ist auch ein klassischer abfuhrgrund.
hier, das ist die schutzausrüstung: paukhandschuh halsschutz blutleder...

Familiennachzug

Zu Beginn der 1950er Jahre hatte der Zweite Weltkrieg Migrationswellen aus Osteuropa und der UdSSR in Richtung Deutschland gespült. Sie waren im gerade erwachenden Wirtschaftswunderland alles andere als gerne gesehen. Wer Flüchtling war, wurde ausgegrenzt. In einer immer schon migrantisch geprägten Weltmetropole wie New York hätte das, als zur gleichen Zeit durch...

Bachmanns Rache

Verachtung ist leicht, Verständnis ist schwer. Und Gefühl ist gefährlich. Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» sind in den letzten Jahren zum Übungsfeld für Figurenverachtung und Emotionszersetzung geworden. Stefan Bachmanns Kölner Inszenierung setzt diese Entwicklung fort und dreht die Schraube noch etwas weiter in diese Richtung. Nichts ist neu: Die riesige...