Festival II: In der Einsamkeit der Bergwelt
Irgendwann werde ich einmal gehen müssen, hinaus oder hinüber», steht im liebevoll gestalteten Begleitbüchlein, das der Besucherin am Eingang zu Anna Peschkes Installation «Ophiopogon» in die Hand gelegt wird. «Dann wird es vielleicht dieses kleine berylgrüne Heftchen sein, das ein paar Menschen den Zugang zu meinen Welträumen ermöglicht. Sie können hierher zurückkehren.»
Dass auch die Erinnerung unterschiedlichste Zeiten, Räume und Menschen verbinden kann, gerät im Zeitalter der digitalen Vernetzung ein wenig in Vergessenheit.
Man muss nicht gleich die «Auswanderung des Denkens aus dem Gehirn» (Frank Schirrmacher) befürchten, um festzustellen, dass das menschliche Archiv, das Gedächtnis, sich zunehmend durch externe Speichermedien entlastet. In diesem Sinne wollte die Intendantin Veronika Kaup-Hasler das diesjährige Festivalmotto des Steirischen Herbsts «Back to the Future» auch weniger als Spielwiese gegenwärtiger Zukunftsszenarien verstanden wissen, denn als Auseinandersetzung mit «kulturellem Erbe». Auch das Festivalzentrum im GrazMuseum, vom italienischen Architekturkollektiv orizzontale ganz im retrofuturistischen Chic der fortschrittsoptimistischen Space-Age-Ära ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Anja Quickert
«Pop ist tot», proklamierte Bernadette La Hengsts Diskursrockband Die Braut haut ins Auge 1998, «die Leiche ist noch warm und das Messer rot.» Worauf sich die Band folgerichtig auflöste; La Hengst zog von Hamburg nach Berlin und startete nicht ohne Erfolg eine zweite Karriere als Theaterregisseurin. Der Pop also ist Geschichte (obwohl La Hengst bis heute Musik...
Schenkt ein Vater dem Sohn zu Weihnachten eine Schildkröte. Nach zwei Stunden ist das Tier tot. Der Vater ist außer sich – wo soll er jetzt die neue herkriegen, am Heiligen Abend? Warum tötet Gott Schildkröten? Sie lachen ja gar nicht. Aber wenn Sie nicht lachen, geht der Witz wieder von vorne los.
Yuri Englert trägt einen blauen taillierten Anzug und steht wie...
Auch heute, Wochen später: Ich fahre in der Zürcher Straßenbahn zur Arbeit am anderen Ende der Stadt. Nach fünf Minuten schau ich mich um und zähle die Mitfahrenden und darauf jene, die nicht auf ihr Handy schauen. Dann zähle ich jene, die sich mit anderen Mitfahrenden unterhalten. Die Zahlen notiere ich auf meinem Handy – klar –, das mir sofort die Prozente...
