Angstfreies Experimentieren
An Rand der Innenstadt, direkt neben dem Kaaitheater, schiebt sich die monströse Glasnase einer ehemaligen Autofabrik auf den Square Sainctelette. Es handelt sich um die Speerspitze des gigantischen Gebäudes am Kanal Charleroi-Brüssel, in dem breite Auffahrten die einzelnen Etagen miteinander verbinden und Tageslicht durch Glasdächer fällt. Früher hat hier Citroen gebaut, und auch heute ist der Bauherr französisch: Das Pariser Centre Pompidou will mit dem «Kanal» eine Brüsseler Filiale errichten und bestücken.
Während des Kunstenfestivals des Arts öffnete auch das zum Kunstmuseum gewandelte Autohaus seine Pforten und klebte sich in riesigen roten Lettern das Wort BRUT auf die Fassade. Allerdings nur, um sie in ein paar Wochen wieder zu schließen: Für die dauerhafte Kunstnutzung muss erst noch renoviert werden.
Während ein Teil der Kulturszene mit Argwohn auf das Pariser Franchiseunternehmen blickt (die 2 Millionen Kofinanzierung der Stadt hätte man besser in lokale Kunst- und Bildungsprojekte gesteckt, findet etwa Dirk Snauwaert, Direktor des Musée Wiels), hat das Kunstenfestival hier kurzerhand eins seiner vier Festivalzentren aufgeschlagen. Die melancholische Aura der ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Festivals, Seite 14
von Eva Behrendt
Einmal, als der slicke Don Juan von Franz Pätzold irgendwo im Luden-Milieu gestrandet ist, wo’s über der Tür neonrot aufblinkt «24 hours open», weil die Tage hier wie Nächte sind und Don Juan sich wie ein Kleinganove hindurchstiehlt, da witzelt Nora Buzalka ihn unter einem opulenten Federhut hervor an: «Ein Kunststück, Don Juan nicht zu erkennen. Es gibt euch doch...
Es gibt also ein Problem im Theater in Afrika», erklärt Dieudonné Niangouna in seinem Essay «Acteur de l’ écriture», «und zwar deshalb, weil der Markt auf diesem Kontinent vom Blick der westlichen Programmgestalter abhängt. Die Künstler sind die Hauptprotagonisten einer Geschichte, die niemals die ihre ist. Das nennt man die Weiterführung der Kolonialisierung.»
Ma...
Ich möchte als Einleitung ein kurzes Stück aus René Polleschs Stück «Die Liebe zum Nochniedagewesenen» zitieren, weil sie in ungewohnter Klarheit auf den Punkt bringt, worum es in seiner Arbeit geht:
M: Hast du gerade Krise gesagt?
MC: Ja, Krise.
M: Aber du meintest Katastrophe.
MC: Nein. Ich meinte Krise.
S: Aber du stolperst von einer Katastrophe in die nächste!
MC:...
