Der Schuld-Komplex
Es gibt also ein Problem im Theater in Afrika», erklärt Dieudonné Niangouna in seinem Essay «Acteur de l’ écriture», «und zwar deshalb, weil der Markt auf diesem Kontinent vom Blick der westlichen Programmgestalter abhängt. Die Künstler sind die Hauptprotagonisten einer Geschichte, die niemals die ihre ist. Das nennt man die Weiterführung der Kolonialisierung.
»
Man muss die Perspektive des kongolesischen Theatermachers nicht in aller Radikalität teilen, um die paradoxe Lage zu verstehen, in die sich ein hochdotiertes europäisches Theaterfestival bringt, das die postkolonialen Verstrickungen zwischen Europa und Afrika reflektieren will. Formell ist die Kolonialzeit und die Weltordnung, die sie hervorgebracht hat, seit Anfang der 1960er Geschichte. Doch die tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und psychologischen Konflikte, die sie auf dem afrikanischen Kontinent hinterlassen hat, erweisen sich bis heute als lösungsresistent. Historisch kann Europa auf die Tradition der humanistisch-liberalen Werte, für die es derzeit vor allem rhetorisch einsteht, also nicht allzu weit zurückblicken. Und selbst wenn sich seine ereignisreiche Kriegsgeschichte im engeren Sinne ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Anja Quickert
«Securytäter», so nennt Dirk Laucke in seinem neuen Stück «Nur die Harten (kommen in den Garten)» rechte Schläger, die für Sicherheitsfirmen arbeiten und nicht selten eingesetzt werden, um Unterkünfte für Geflüchtete zu bewachen. Dass sie dabei ungehemmt ihre Macht ausleben, belegen die Skandale aus Berlin, Cottbus, München. In einem Wort oder einer winzigen Szene...
Mit Mitte 30 hat Mary Page Marlowe viel erduldet und nichts erreicht in ihrem Leben. Sie sitzt auf einer Bank, ein Therapeut durchlöchert ihre Ich-Blockade mit Existenzfragen, auf die sie keine Antwort kennt. Bis sich Marys stahlblaue Augen weiten. Und dann sagt sie, dass sie sich noch niemals für etwas wirklich entschieden habe. Eine namenlose Sehnsucht liegt frei...
An Rand der Innenstadt, direkt neben dem Kaaitheater, schiebt sich die monströse Glasnase einer ehemaligen Autofabrik auf den Square Sainctelette. Es handelt sich um die Speerspitze des gigantischen Gebäudes am Kanal Charleroi-Brüssel, in dem breite Auffahrten die einzelnen Etagen miteinander verbinden und Tageslicht durch Glasdächer fällt. Früher hat hier Citroen...
