Achtung, Symbol!
Freundlicherweise macht sich Tom (Gerrit Jansen) gleich zu Beginn des Abends die Mühe, das ästhetische Prinzip der Aufführung zu erklären. Glatze, Hornbrille, schlechte Körperhaltung im zeitlosen Hänger-Look und ein gewisser Übereifer kennzeichnen den jungen Mann aus einem Kaff in der amerikanischen Provinz als angehenden Halbintellektuellen mit tristem Sexualleben. Kein Wunder, dass er sich für Probleme der Ästhetik interessiert. «Und wenn man ihn nach seiner Technik fragt, sagt er nur ein Wort: Veranschaulichung», malt sich Tom seinen künftigen Ruhm als Schriftsteller aus.
Veranschaulichung ist das Stichwort. Darauf setzt auch Bastian Kraft bei seinem Versuch, Lars von Triers Film «Dogville» von 2003 im Depot des Schauspiels Köln möglichst ordentlich nachzuinszenieren. Damit das auch schön deutlich bis überdeutlich klappt, stellt er Tom und die anderen Dörfler aus den Rocky Mountains und ihr Opfer, die so mysteriöse wie schutzbedürftige Grace (Katharina Schmalenberg), auf einer Podestbühne aus, über der ein um 45 Grad gekippter Spiegel das Bühnengeschehen in ungewohnter Perspektive verdoppelt.
Grace, eine elegante Dame in weißem Pelzmantel und hochgeschlitztem Abendkleid, ist der ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Köln, Seite 57
von Peter Laudenbach
Das Fräulein macht in der Geschichte der menschlichen Art nur kurz Karriere. Es entsteigt dem 19. Jahrhundert schüchtern als Vorbotin weiblicher Eigenständigkeit, wird Anfang des 20. Jahrhunderts in der zu mieser Hochform auflaufenden Männerwelt zerrieben, um sich dann, in der zweiten Hälfte des Säkulums, in die Frau zu verwandeln und zu sich selbst zu kommen. In...
Reibung erzeugt Wärme. Man kann sie sich auch selbst beschaffen. Die Haut juckt, man muss sich kratzen oder die Beine scheuern, wie es der ehemalige Gutsbesitzer Telegin und auch die junge Frau Elena tun. Aber was wäre schon groß dabei, sich von einem fremden Körper, gleich welcher Art, anfassen zu lassen? Wenn es nur die Temperatur erhöht, die Illusion von Nähe...
Für Arthur, Danilo und Feine Sahne Fischfilet.
Das Stück beruht auf Augenzeugenberichten und Zeitungsnotizen aus den Jahren 2007 bis 2013.
Schrägstriche (/) im Text deuten überlappenden Sprecheinsatz durch den nächsten Sprecher an.
Das Werk ist eine Auftragsarbeit des Staatstheaters Stuttgart
1. Abfertigung / Der Verrat
Flughafengeräusche. Karl und Meret...
