Geisterbeschwörungen

In Bochum eröffnet die Saison mit Stephan Kimmigs Tschechow-Inszenierung «Onkel Wanja» und Alexander Riemenschneiders Wiederbegegnung mit Handkes «Die Unvernünftigen sterben aus»

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Reibung erzeugt Wärme. Man kann sie sich auch selbst beschaffen. Die Haut juckt, man muss sich kratzen oder die Beine scheuern, wie es der ehemalige Gutsbesitzer Telegin und auch die junge Frau Elena tun. Aber was wäre schon groß dabei, sich von einem fremden Körper, gleich welcher Art, anfassen zu lassen? Wenn es nur die Temperatur erhöht, die Illusion von Nähe erzeugt, das quälende Gefühl beendet. Aber nein, das geht nicht und ekelt bloß, wenn der eine Reiz nicht mitspielt: die Anziehung, die Lust, das Begehren.

Elena ekelt es vor Wanja, so dass sie nicht einmal seinen Handkuss aushält, ekelt es aber auch vor ihrem eigenen Mann, dem alten Professor. Mit Astrow, dem Arzt, wäre es etwas anderes. Sie reißt ihm zum Abschied die Sachen vom Leib. Ihn wiederum liebt Sonja, Wanjas Nichte, schmerzlich vergebens. Und Astrow streckt sogar die Hand aus nach Telegin und führt sie unter dessen Hemd, als wolle er dort etwas ertasten, das ihm bislang unbekannt war.

Unruhige Geister sind es, die zum Saisonauftakt im Schauspielhaus Bochum seitlich über eine Einlasstür auf die Bühne heraufkommen und an der Rückwand aufgereiht Platz nehmen, neben sich zwei Kleiderstangen. Sodass nicht nur Angela ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Andreas Wilink

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