Schwindel erregend

Schauspieler des Lebens: Alexander Adolphs Dokumentation über vier «Hochstapler»

Theater heute - Logo

Man lebt frei und ungezwungen», sagt einer der «Hochstapler», ohne die Fesseln bürgerlichen Rechts und die Behinderung durch Rechtschaffenheit. Jeder der vier wegen Betrugs verurteilten Männer, die Alexander Adolph, nachdem er sich mit ihren Anwälten getroffen, die Gerichtsakten studiert und das Vertrauen der Männer erworben hat, in langen Sitzungen interviewte, ist ein Fall für sich. Aber ihre kriminelle Energie hat vergleichbare Ursprünge: Mangel schuf den Wunsch nach Überfluss.

Unterlegenheit, Handicaps und Defizite wollten überwunden werden und wurden in absolutes Erfolgsdenken umgemünzt.

Torsten S., 40, hat seine Jugend in DDR-Kinderheim-Kasernen verbracht, bevor er begann, Identitäten wie Kleider zu wechseln und etwa eine ostdeutsche Kleinstadt auf den Kopf zu stellen, indem er sich als NATO-Offizier mit Diplomatenstatus ausgab. Mark Z., 35, führte ein Doppelleben – einerseits als «gelobter und geliebter» (so seine Eltern) braver Alltagsmensch, anderer­seits als psychologisch raffinierter Verführer, der mit Immobilien-Transaktionen Existenzen ruinierte. Peter G., 60, hatte als Sohn von Zeugen Jehovas eine finstere Kindheit, um später als Scheckbetrüger und Urkundenfälscher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2007
Rubrik: Medien/TV, Seite 64
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Welt gefallen

Die Angst, aus dem Zusammenhang zu fallen, plötzlich in der Luft zu hängen, fremd im eige­nen Leben, ist wohl eines der am besten verdrängten und doch mächtigsten Traumata unse­rer hypervernetzten Gesellschaft. Wie besessen klam­mern wir uns an die Fetische der totalen Kommuni­kation, wollen ständig online und erreichbar sein, doch hinter all dem lauert die latente...

Requiem fürs Programmheft

Theorie muss im Theater immer in Programmheften gefan­gengehalten werden, sonst würde sie den ganzen Laden auffliegen lassen. «Die Gewalt des Konsens und der forcier­ten Zusammengehörigkeit, die, wie eine Schönheitschirurgie des Sozialen, die Wurzeln des Übels und jeder Radikalität auszureißen trachtet; die jede Form der Negativität und Singula­rität einschließlich...

«Alles ist erzählt – und dann kommen noch zehn Minuten Musik»

Theater heuteHerr Puhlmann, Sie eröffnen in Stuttgart Ihre Inten­danz an der Oper mit dem Regiedebüt eines bisher nur aus dem Schauspiel bekannten Regisseurs, Sebastian Nübling, und Bizets «Carmen». Das ist ohne Zweifel mutig. Was macht Schauspielregisseure für die Oper interessant?

Albrecht PuhlmannDie Entscheidung für diesen Regisseur und die Bühnenbildnerin...