Frisur egal

Moritz von Uslar/Thomas Oberender «100 Fragen an Heiner Müller»

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Das widerfährt nur den Allergrößten, dass selbst aus Kommentaren noch Kunst entsteht. Goethe zum Beispiel. Das Dritte Reich erlebte gerade seinen Aufstieg, als Thomas Mann in die Archive abtauchte, um mit Riemer, Ecker­mann et al. den Olympier auf den Tagesplan zu rufen. «Lotte in Weimar» ist das Produkt seiner philologischen Großanstrengung und enthält neben viel lesenswertem Tratsch über den Dichterfürsten auch einen gut achtzig­seitigen inneren Monolog, in dem man selbstredend nachvollzieht, wie «Goethe» dachte: über Werk und Leben und über den deutschen Unterta­nengeist.

Diese Imitation traf den Nerv der Zeit. Erst bediente sich ein antifaschistisches Plagiat bei Mann, um Hitler mit Goethe zu bekämpfen; dann strafte der britische Chefankläger Lord Shawcross 1946 bei den Nürnberger Prozessen die Deutschen mit den vermeintlich echten und prophetischen Goethe-Worten ab. Irritierender und zeitgemäßer konnte eine Geisterbeschwörung damals nicht sein.

Die Karenzzeiten sind kürzer geworden. Zehn Jahre nach dem Todes­tag von Heiner Müller und zwei Jahre nach den Jubiläumsfeiern zu seinem 75. mehrt sich das Bedürfnis nach einer Dichterbegegnung. «100 Fragen» stellt Thomas Oberender an ...

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Theater heute Februar 2006
Rubrik: Chronik, Seite 37
von Christian Rakow

Vergriffen
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