Haste mal ’ne Schulter?
Einmal, als der slicke Don Juan von Franz Pätzold irgendwo im Luden-Milieu gestrandet ist, wo’s über der Tür neonrot aufblinkt «24 hours open», weil die Tage hier wie Nächte sind und Don Juan sich wie ein Kleinganove hindurchstiehlt, da witzelt Nora Buzalka ihn unter einem opulenten Federhut hervor an: «Ein Kunststück, Don Juan nicht zu erkennen. Es gibt euch doch wie Sand am Meer.
» Eine seltene Heiterkeit wogt in diesem Moment durchs Residenztheater, wogt weiter noch, weil kurz darauf im Videoscreen Marcello Mastroianni als Inkarnation des lebensprallen Frauengenießers an einem Strand umhertänzelt. Bilder aus «La Dolce Vita». Es gibt euch doch wie Sand am Meer.
Gefährdete Männlichkeit
Tatsächlich gibt es Don Juan auf der Resi-Bühne in zweifacher Ausführung: Pätzold als der feingliederige, fiebrige Typus, auf den am ehesten die Worte passen, die von Max Frisch im Programmheft überliefert werden: Don Juan ist «schlank wie ein Torero, fast knabenhaft. Seine Hände sind nervig, aber grazil; aber nicht weichlich»; «seine Männlichkeit ist etwas Gefährdetes». Und: «Der Gefährdete neigt zum Radikalen.» An seiner Seite agiert Aurel Mathei als stabiler, robuster Don Juan. In seiner Kraft ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 37
von Christian Rakow
Bruno hat einen blutigen Beruf. Wenn ein Kuschelhund oder ähnliches Getier verstirbt, geht Bruno hin, weidet alles Vergängliche aus und hübscht den Rest auf für die Ewigkeit. Bruno ist «Der Präparator» im neuen Stück des Schweizers Lukas Linder, der mit Mitte 30 eine ansehnliche Reihe skurriler Komödien verfasst hat.
Jetzt steht Bruno im Overall, blutverschmiert...
Fünf neue Stücke an zwei Tagen mit toller Besetzung und in ausgefeilten Inszenierungen – die Bilanz, mit der das Münchner Residenztheater in seinem «Marstallplan 2018» aufwartet, ist eindrucksvoll und keinesfalls das, was man sich sonst schon mal zum Ende der Spielzeit mit heißer Nadel von gestressten Regieassistenten und urlaubsreifen Ensemblemitgliedern...
Bei aller Verwandtschaft zum Diskurspop ist die wahre Qualität von Thomas Köcks Texten doch ihre emotionale Kraft und Dringlichkeit: Gesellschaftsreflektion und persönliches Anliegen sind untrennbar verquickt. Bisher am zwingendsten, am radikalsten ist ihm dies in «Paradies spielen» gelungen. Dabei ist die schmerzvolle Einsicht immer präsent, dass das Theater nicht...
