Zürich: Aus der Zeit gefallen

Martin Heckmanns «Der Schwindel und sein Gegenteil» (U), Lukas Linder «Der Präparator» (U)

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Bruno hat einen blutigen Beruf. Wenn ein Kuschelhund oder ähnliches Getier verstirbt, geht Bruno hin, weidet alles Vergängliche aus und hübscht den Rest auf für die Ewigkeit. Bruno ist «Der Präparator» im neuen Stück des Schweizers Lukas Linder, der mit Mitte 30 eine ansehnliche Reihe skurriler Komödien verfasst hat.

 

Jetzt steht Bruno im Overall, blutverschmiert und mit eingeschlafener Hand im Prolog seiner Geschichte, er soll einen verstorbenen Liebling abbalgen, bei Alma und ihrer Mutter, Stammkundinnen seines Vaters, der auch Präparator war und als dessen Nachfolger Bruno auftritt. Er kennt die Knödels nicht, schlüpft dennoch sogleich in Pantoffeln, schlürft Hühnersuppe, verstrickt sich in merkwürdige Dialoge, findet ein Skalpell unterm Tisch, wird ungeniert beschnuppert und erregt bei den Frauen offenbar auch sonst die Sinne. Bald stellt sich heraus, dass Brunos Vater eher verschollen als verstorben ist, womöglich seit der letzten Hauspräparation bei den Knödels. Rätselhaft bleibt auch, ob Bruno Detektiv, Mörder oder Opfer ist. Kurz, die kriminalesk-erotische Dreierbegegnung besitzt alle Anlagen für einen auf charmant altmodische Art absurden Einakter, irgendwas aus der Zeit ...

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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Stephan Reuter

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