Barbara Burckhardt: Generation Clavigo
Es geht ums Reden, Feiern, Austausch. Ums Kennenlernen und Befreunden. Und es geht ums Gewinnen. Für eine oder einen enden die sechs Tage des Wettbewerbs der Regieschulen in der Gaußstraßen-Dependance des Hamburger Thalia Theaters mit einer Urkunde und 10.000 Euro Produktionskostenzuschuss für die nächste Arbeit an einem deutschen Stadttheater oder in der Freien Szene. Das kann der Startschuss sein: Unter den Gewinnern der letzten neun Jahre waren immerhin David Bösch, Julia Hölscher und Heike M. Götze, heute gut bis sehr gut beschäftigter Stadttheater-Nachwuchs.
Ums Gewinnen geht es auch thematisch in einem nicht geringen Teil der Inszenierungen, mit dem der Regienachwuchs sich vorstellte. Dass die Generation +-30 sich mit sich und ihren Altersgenossen zwischen Prekariat und Expresskarriere beschäftigt, ist nicht verwunderlich. Dass ein paar von ihnen aus der oft lustig verkleideten Schreckstarre des Überangebots heraustreten und nach Veränderung verlangen, ist trotzdem erfreulich. Und dass am Ende des Liedes Ratlosigkeit steht, wohin ein Umbruch führen könnte, ist wohl Realismus.
Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?
Goethes Clavigo ist so ein begabter Altersgenosse. Für die Karriere ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Regieausbildung, Seite 26
von Barbara Burckhardt
Am 12. Juni wird in Köln der 61. Preisträger des renommiertesten deutschen Hörspielpreises ausgezeichnet. Damit es bis zum Schluss spannend bleibt, gibt es erstmals eine Endrunde mit drei Nominierungen aus einem beachtlich starken Jahrgang von 22 Stücken im Wettbewerb. Darunter Alexander Kluges Katastrophen-Großessay «Die Pranke der Natur» (Bayerischer Rundfunk),...
Als Rainald Goetz noch kein preisgekrönter Schriftsteller und Dramatiker, sondern Kinder–buchrezensent war, «destillierte» er aus den Kritiken von Benjamin Henrichs, Michael Skasa und Peter von Becker sämtliche Adjektive, um sie später in eigenen Texten verwenden zu können. Doch Joachim Kaiser, einst Feuilletonchef der «Süddeutschen Zeitung», schickte den jungen...
Die Außenwelt scheint verloren, doch von innen fängt alles erst an. Der Einsame im Krankenbett liegt bei Gralf-Edzard Habben (Bühne) auf einem Steg aus sterilen weißen Kacheln in einem Meer aus schwarzen Ascheflocken. Dann öffnet sich das Fenster hinter dem Todgeweihten mit metaphysisch-dunklem Rauschen und lässt die schwarz gekleideten, bleichgeschminkten Ahnen...
