Dämonen etc.: Der Existenzbeauftragte
Als Rainald Goetz noch kein preisgekrönter Schriftsteller und Dramatiker, sondern Kinder–buchrezensent war, «destillierte» er aus den Kritiken von Benjamin Henrichs, Michael Skasa und Peter von Becker sämtliche Adjektive, um sie später in eigenen Texten verwenden zu können.
Doch Joachim Kaiser, einst Feuilletonchef der «Süddeutschen Zeitung», schickte den jungen Kritiker zu Trainingszwecken ins Boulevardtheater und nicht an die Münchner Kammerspiele, und obwohl sich Rainald Goetz noch «auf dem Skilift» den Kopf zerbrach, ob und wie nun darüber zu schreiben sei, lieferte er am Ende keine Besprechung ab.
Wer weiß, wo der doppelt promovierte Goetz gelandet wäre, wenn er sich zum Beispiel auf die klassische Kritikerlinie hätte einnorden lassen? Vielleicht ja nicht im voll besetzten Hörsaal 1b an der Freien Universität Berlin, wo er im Rahmen seiner Antrittsvorlesung für die an den ihm just verliehenen Berliner Literaturpreis gekoppelte Heiner-Müller-Gastprofessur auch von seiner kurzfristigen, von ihm selbst durchaus für sinnvoll befundenen Tuchfühlung mit der journalistischen Gebrauchstextform berichtete. Es war ein sommerlicher Frühlingsabend, und noch während die Zuhörer c.t. in ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Eva Behrendt
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