Voll heutig, mit Bedeutungsformel

Sophokles «Ödipus»

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In diesem «Ödipus» geht ein gezackter, mit Glas oder Plexiglas bedeckter Graben durch den Zuschauerraum (Bühne Karl-Ernst Herrmann). Wie ein Blitz des Zeus! Ob der tatsächlich mit Licht gefüllt wird? Oder Blut? 

Die Zuschauerrampe ist schwarz und steil abfallend, die Bühne steht auf einem Metall­gerüst, das wiederum im Wasser steht, und ist schwarz und steil aufsteigend. Zuerst stäubt sie ein Mann mit weißem Pulver ein – es ist wahrscheinlich Kalk, mit dem früher Pestleichen bestreut wurden, denn Theben, die Stadt, in der alles spielt, leidet unter einer Seuche.

Dann streicht sich ein älterer Mann mit weißer Farbe ein. Er wird nachher nicht mehr vorkommen und auch nicht von Bedeutung sein. Männer mit Schutzmasken streichen eine große Glaswand im vorderen Bühnenbereich mit weißer Farbe zu. Später werden in diese Farbe äußerst bedeutungsschwangere Worte und Zeichnungen geritzt – zum Beispiel «Keine Erlösung», «das tut richtig weh», «Freiheit Motherfucker» (schließlich ist Ödipus einer) –, dann wird die Bedeutung aber abgewaschen beziehungsweise kathartisch aufgeräumt mit der blutigen Ge­schich­te. Sieht super aus. Dahinter zeigt das Schlussbild eine ganze Bühne voller Schuhe.

Sieht ...

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Theater heute Dezember 2007
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Simone Meier

Vergriffen
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