Die Rache des Gebrauchtanzugträgers
Vor einigen Jahren saßen zwei bis dato dem breiteren Publikum weitgehend unbekannte Herren in einem Fernsehstudio des Regionalsenders RBB. Der eine, im entspannten Leck-Mich-Styling mit zerknittertem Hemd und sackförmiger Jeans, war gerade Intendant am Berliner Hebbeltheater geworden, Matthias Lilienthal.
Dem anderen sah man die vor vielen Jahren abgebrochene Lehre bei einem Herrenausstatter an: Sein Anzug schien aus einem größeren Restposten zu stammen, den das Kaufhaus Karstadt am Hermannplatz irgendwann in den frühen Achtzigern auf seinen Wühltischen entsorgt haben dürfte (Krömer: «Modell rumänischer Nutten-Preller»). Der Mann nannte sich Kurt Krömer und war, genau wie Lilienthal, gerade dabei, Karriere zu machen. Krömer hatte sich als Standup-Komiker von Kleinkunstbühnen («Das war elendes Spielen vor vier Leuten») in die TV-Studios vorgerobbt. Jetzt hatte er zum ersten Mal seine eigene Show, und man konnte sich nie ganz sicher sein, ob sie nicht eher das Ende als den Anfang seiner Fernsehlaufbahn bedeuten würde, und das nicht nur, weil er mit einem notorisch muffligen, dem Publikum an den Endgeräten garantiert völlig unbekannten Gast wie Lilienthal sorgfältig alle ...
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