Bombenstimmung
Auf dem Spielplatz gab es doch immer diese Jungs, die Quartettkarten vor sich auf den sandigen Boden knallten. Mit einem routinierten «Reichweite 4.800 km» oder «Fluggeschwindigkeit 3.500 km/h sticht» spielten sie Kampfjets (wahlweise Panzer oder Wildtiere) gegeneinander aus. Dasselbe vertraute Stimmungskonglomerat aus Klugscheißerei, bürokratischem Eifer und naiver Begeisterung für den Stärkeren macht sich ab der ersten Minute von Hans-Werner Kroesingers «Operation Big Week» auf der Brechtbühne in Augsburg breit.
In schnellem Wechsel referieren hier zwei Frauen und vier Männer im zeitlosen Business-Look (Kostüme Katharina Diebel) über den faszinierenden Innovationsschub, den die ersten Kampfflugzeuge für die Kriegsführung bedeuteten – ein Meilenstein nach den Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs. Passend dazu do- minieren Flugzeugteile die Bühne von Installationskünstler Rob Moonen: links eine waagerecht hängende Tragfläche, die mal als Konferenztisch, mal als Bunker dient, rechts ein Holzmodell vom Rumpf eines Messerschmitt-Bombers. Dazwischen machen sich die sechs durchweg starken Darsteller daran, einen Haufen dokumentarisches Material zur berüchtigten Bombennacht von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Cornelia Fiedler
Das Stück, mit dem Peter Handke 2012 zum ersten Mal in seiner langen Karriere den Mülheimer Dramatikerpreis gewann, ist ein großes Kopftheater, in dem der Dichter die Geschichte seiner Familie inszeniert. Das Stück ist kein Drama, sondern eine lange Ich-Erzählung; so etwas wie dramatische Spannung erzeugt der Regisseur Handke vor allem durch einen kühnen...
TH Herr Reichel, Herr Carp – Sie kommen beide von Theatern, die vor drei Jahren zum Theatertreffen eingeladen waren. Was hat die Jury denn dieses Jahr in Schwerin und Oberhausen übersehen?
Peter Carp Wir waren leider etwas zu spät mit dem australischen Regisseur Simon Stone und dessen spannender «Orestie». Stone haben wir als erstes europäisches Haus produziert....
Das Schöne am Ensembletheater ist, in aller Ruhe über längere Zeiträume hinweg beobachten zu können, welchen Weg Schauspieler und Regisseure gemeinsam gehen, welche Entdeckungen sie an- und miteinander machen und durchaus auch, wo sie zusammen an Grenzen stoßen. Zwar werden Spielpläne meist zu wenig von solchen Überlegungen bestimmt, umso erfreulicher ist es da,...
