Der Sound, die Bewegung, der Schrei

«Er verfügt über eine fast gefährliche Selbstironie», sagt Herbert Fritsch über seinen neuen Protagonisten. Dabei misstraut Sebastian Blomberg vor allem den feinen Pinselstrichen des Psychologen. Theater hat für ihn viel mehr mit Bildender Kunst zu tun. Ein Porträt

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Er sieht aus wie ein geschleiftes Arbeiterdenkmal, wenn er mit schweren Schritten die schräge Bühne herabschlurft, Staub in den Haaren, den Tod im Gesicht, ein Actionheld am Tiefpunkt, wenn es 0:10 gegen ihn steht. Und trotzdem ist da noch etwas anderes, eine verhaltene Kraft und ein Funken kindlicher Übermut. Der neue Mensch ist zwar von Anfang an Ruine, ebenso wie die Fabrik, die er im Laufe des Stücks «Zement» von Heiner Müller wieder in Gang bringen soll.

Aber der ramponierte Held ist auch noch ein Mann, und der macht mit Lust die Beine breit, um die Frau zu empfangen, von der er glaubt, dass sie auf ihn gewartet hat. Sorgsam legt er den schmutzstarren Sol­datenmantel auf dem Boden aus, leert aus jedem Stiefel ein Häufchen Sand zwischen seine Schenkel und pflanzt dort hinein einen zerknüllten Papierfetzen wie eine weiße Blume. Dabei wirkt er auf einmal ganz jung und fröhlich verliebt, nur dass es die Dascha, an die er sich erinnert, so eben nicht mehr gibt. Ganz leicht gelingen Sebastian Blomberg die Übergänge vom kanti­gen Sprachfuror zu einer leuchtenden, durch wenige Gesten genau skizzierten Empfindung. Ein Spieler, der sich gern verausgabt, dabei aber in keinem Augenblick ...

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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Akteure, Seite 46
von Silvia Stammen

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