Zwei Philosophen, zwei Schönheiten

Am 8. April vor 190 Jahren wurde die Venus von Milo auf einem Acker entdeckt - Musterbeispiel klassischer Schönheit. Undine Eberlein und Rudolf zur Lippe über die Herkunft der neuen Sehnsucht nach Schönheit und der Unmöglichkeit, sie zu erreichen.

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Fragwürdig wurde das Wort Schönheit durch zwei Entwicklungslinien. In der einen Linie wird immer ausschließlicher unter Schönheit ein gefälliges Erscheinungsbild verstanden. In der anderen Linie sind grundlegende Wahrnehmungen zu billigen Normen umgemünzt worden. Beide zusammen dienen der Werbung, die vorschreiben will, wie wir selber auszusehen haben und welche Oberfläche wir unserer Umgebung verpassen sollen.
Würdig ist der Begriff Schönheit aber erst, wenn wir bereit sind, diese vorgefertigten Formeln wieder hinter uns zu lassen.

Dann wird Schönheit das Bild für Resonanzen der Welt im Kleinsten und im Größten, des Größten im Kleinsten, des Kleinsten mit dem Größten. Die alte Verbindung des Makro- und Mikrokosmos mit der Wahrheit, die im Schönen anschaulich wird, ist nicht nur ein metaphysischer Fluchtpunkt, sondern der sehr große Ernst, mit dem die  Ordnungen  verbunden sind.
«Schönheit ist Notwendigkeit mit Freiheit». Diesen Satz hat Goethe auf die Natur geprägt, um zu betonen, dass den gesetzmäßigen Bedingungen jede Lebensform, jeder Kristall, jede Bewegung des Wassers eine einmalige Möglichkeit abgewinnt. Wie ließen die Künste sich besser als so bestimmen? In keiner von ihnen ...

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Tanz März 2005
Rubrik: Über Schönheit, Seite 36
von Undine Eberlein, Rudolf zur Lippe

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