Slow Performance
«Pixel lent» ist ein echtes Statement pro Entschleunigung, ein Schnecken-Ballett im horizontalen Weinberg. Das französische Wort «lent» bedeutet «langsam». Da stellen sogar Kinder das Toben ein, wenn der Schneckenfarmer ins Jagdhorn bläst. Ernsthaft: Wer will schon mitten in einer Performance eine Schnecke zertrampeln? Blitzartig würde man aus der Welt der Kunst gerissen und zurück in die körperliche Realität katapultiert. Da passt man lieber auf, wo die Schuhsohle hintritt. Offiziell sind es 176 Weinbergschnecken, die einem in «Pixel lent» über den Weg laufen.
Oder umgekehrt. Denn bei aller Entschleunigung: Die Grundgeschwindigkeit der Besucher bleibt höher als die der schleimigen Performer. Die tragen, nebst Schneckenhaus, auch noch jeweils eine Leuchtdiode auf dem Rücken: Ihr persönliches Pixel, das im Halbdunkel leuchtet. Gemeinsam bilden die Exemplare der zoologisch korrekt genannten Gattung «Helix pomatia» eine Leuchtskulptur, die fast unmerklich in Bewegung bleibt.
Im Weg stehen ihnen dabei überall Wollberge und kleine Papphügel, in denen sich Lautsprecher verbergen, die sanfte electro-noise-Kompositionen des Duos Pigeon Pourri + Bisou Love verbreiten. Dass die Pappe ...
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Tanz Mai 2018
Rubrik: Side Step, Seite 19
von Thomas Hahn
Nietzsches «Gott ist tot!»-Deklaration ist bloß ein schüchterner Hinweis, jedenfalls verglichen mit dem zornigen Nihilismus, der auf Alida Dors‘ Bühne rausgedonnert und -gegeifert wird. «Speak Up!», fordert sie in ihrer neuen Choreografie, und das meint: Kampf allen Göttern! Kampf den Religionen, scheinheiligen Trostbotschaften, falschen Priestern! Alida Dors...
Hinter den Kulissen
geht es häufig genauso spannend, anregend und aufregend zu wie auf der Bühne. Deshalb werden wir uns künftig regelmäßig dort umsehen, um über Menschen, Metiers, Ent- und Verwicklungen zu berichten, die – mal mehr, mal weniger – mit Tanz zu tun haben. Die neue Serie startet mit dem Inspizienten Theater an der Parkaue Berlin.
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