Serie: Master-Macher – Vera Sander, Zentrum für zeitgenössischen Tanz, Köln
Eine Tanzhochschule als locus amoenus – und locus terribilis: Über den Hof der 1909 errichteten Volksschule hallen Klaviertöne, eine Fensterfront gibt Einblick in den sonnendurchfluteten Ballettsaal. Eine Gruppe Tänzer übt dort allein mit Repetitor klassische Ballettsequenzen in der Diagonalen. Lachende, erhitzte, anmutige Jugend – eine Szene, fast zu idyllisch, um wahr zu sein.
Denn kaum betritt man das Gebäude, das sich das Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) mit einem Bürger- und einem Flüchtlingszentrum sowie der Rheinischen Musikschule teilt, wähnt man sich eher in einem Gruselfilm: Ein düster-abgewracktes, herrschaftlich-breit gebautes Treppenhaus, die patinagrünen Wände sehen aus, als hätten sie die Schüler früher mit Kakaotüten beworfen. Das ist noch die harmloseste Assoziation für den Farbsiff auf dem Gemäuer dieses Gebäudes, das im Zweiten Weltkrieg auch als Reservelazarett und Zwangsarbeiterlager genutzt wurde. Ausgetretene Linoleumstufen, abgeschlagener Putz, marode Sanitäranlagen. Wer glaubt, die beste Kunst entstehe aus Degout und Depression, ist hier richtig. Vier Stockwerke geht es hoch, dann kommt man in den Flur des ZZT und damit in angenehme Lernumgebung: ...
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Tanz Januar 2015
Rubrik: praxis, Seite 72
von Nicole Strecker
Zwei schwarz Gewandete schlendern an die Rampe, Akkuschrauber in den Händen. Rrrrrrrrtz, schon ist die erste Bodenhalterung gelöst. Das Publikum strömt derweil hinaus ins Foyer des Kasseler Schauspielhauses, um sich Pausenschmaus und -schmäh hinzugeben. Es verpasst eine Performance, die als solche gar nicht eingeplant ist, und trotzdem das Bindeglied zwischen den...
Wiener Staatsoper, 4. Stock: Ein Treffen im Büro des Ballettdirektors, der hinter einem Schreibtisch vor dem PC sitzt. Um ihn herum gruppieren sich Bücher und Zeitschriften, er selbst wirkt unaufgeregt. Auch seine Vorgänger arbeiteten in Kammern entlang dieses schmalen, engen, dunklen Ganges, der zum Großen Ballettsaal führt. Gerhard Brunner, Ex-Kritiker,...
John Neumeier arbeitete 1989 noch mit Alfred Schnittke. Aber inzwischen hilft Peer Gynt offenbar nur noch die «Peer Gynt»-Musik von Edvard Grieg auf die Beine. Heinz Spoerli griff schon vor Jahren auf die populäre Bühnenkomposition zurück, versetzt mit zeitgenössischen Stücken von Brett Dean und Mark-Anthony Turnage. Gregor Zöllig wiederum ließ sich in Bielefeld...
