metamorphosis now
Zwei schwarz Gewandete schlendern an die Rampe, Akkuschrauber in den Händen. Rrrrrrrrtz, schon ist die erste Bodenhalterung gelöst. Das Publikum strömt derweil hinaus ins Foyer des Kasseler Schauspielhauses, um sich Pausenschmaus und -schmäh hinzugeben. Es verpasst eine Performance, die als solche gar nicht eingeplant ist, und trotzdem das Bindeglied zwischen den beiden Teilen des Tanzabends liefert. Es versäumt den Umbau der Bühne von Johannes Wielands «science! fiction! now!» zu Hofesh Shechters «DOG»: eine Totalverwandlung dank minu-tiös getakteter Choreografie.
Nur sind hier keine Tänzer, sondern Bühnentechniker am Werk: Holzpaneele entfernen, Erdreich wegfegen, Tanzteppich ausrollen, festkleben, schwarze Stoffbahnen legen, Scheinwerfer aufstellen. Das alles geht wortlos vonstatten, gerade so, als wäre es hundertmal geprobt und bis in die kleinste Handreichung fixiert worden. Als sei es fürs Auge eines Zuschauers, eines Supervisors gemacht. Aber niemand schaut hin, obwohl die Umgestalter binnen Minuten genau das vollbringen, was davor und danach von Künstlern verlangt, verhandelt, verkörpert wird: eine Metamorphose.
Johannes Wieland, seit 2006 Direktor des Tanz-Ensembles am ...
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Tanz Januar 2015
Rubrik: produktionen, Seite 14
von Dorion Weickmann
«Rodin und Claudel» lautet der erweiterte Titel, nach dem Pariser It-Couple an der Wende zum 19. Jahrhundert, nach dem Bildhauerpaar Auguste Rodin und Camille Claudel, oder nach Isabelle Adjani und Gérard Depardieu in dem Film «Camille Claudel» von 1988. Man sieht zunächst diesen ganz einfachen Plot: Junge Bildhauerin verliebt sich in älteren Meister, erobert ihn...
Hallo, hallihallo, ist da wer? Unter der Falltür, in der Kiste, hinter den Spiegeln? «Hallo», ruft Martin Zimmermann scheu, erschrocken nach dem Woher eines Geräusches fahndend, auf der Suche nach sich selbst, nach allen möglichen Ausprägungen seiner Bühnenfigur – ein schlaksiger Waghals in weißem T-Shirt und schwarzer Tight. «Hallo» ist Zimmermanns erstes Solo...
Wer sich als Ballettchef einführen möchte, kann dezent Visitenkarten verteilen. Kann ein paar Leute im Hintergrundgespräch briefen. Kann das Publikum in Werkstattgespräche verwickeln. Für eine Grande Entrée – amerikanisch pompös: «Grand Entrance» – verbündet er sich indes idealerweise mit der «Vogue», um sich von Annie Leibovitz in einem Dreiteiler, Hip-Marke Doyle...
