paare und paarungen

Tanz - Logo

Russland und Deutschland werden 2015 ein Paar – was ihren Kulturaustausch angeht. Großbritannien und Russland sind es bereits in diesem Jahr. Einen Sommer lang hat man sich gegenseitig besucht, das Bolshoi reiste nach London, das Royal Ballet nach Moskau. Den Höhepunkt dort gestaltete ein Franzose: Jean-Christophe Maillot. Er inszenierte «Der Widerspenstigen Zähmung» im Bolshoi. Seine Shakespeare-Version war, wie unsere Moskauer Autorin Violeta Mainiece ab Seite 8 erzählt, ein Versuch, die in Russland gezähmte Moderne auf der Bühne durchzusetzen.

Von der sagenhaften Widerspenstigkeit der Moskauer war dabei im Parkett nichts zu spüren. Die Zuschauer wurden allerdings auch nicht mit jenem ungenierten Ernst der Aufklärung konfrontiert, mit dem Lloyd Newson seinen «John» gegen Homophobie und andere Kulturlosigkeiten antanzen lässt (Seite 14).

Die Komödie «Der Widerspenstigen Zähmung» hingegen ähnelt einer Gesellschaftsordnung, in der jeder Topf seinen Deckel und jeder Wunsch seine Erfüllung finden soll. Diese Form der Zähmung von Widerspenstigen gelingt immer dann, wenn Interessen ausgeglichen und Bedürfnisse befriedigt werden – also, politisch gewendet, harmonische Fraktionen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2014
Rubrik: editorial, Seite 1
von

Weitere Beiträge
berlin: Matanicola: «BodieSLANGuage»

Hände, Hände, überall Hände: vielfingrig ein Gesicht befühlend, wie Fischchen schnappend, sich wie Blütenblätter um ein Zentrum öffnend oder, als beredte Anhängsel eines zottelig gekrümmten Wesens, ein düsteres Märchen erzählend. Meist marginaler Körperteil im Tanz, rücken die Hände ins Zentrum der ersten Zusammenarbeit der Choreografen Matan Zamir und Nicola...

dortmund: Stephanie Thiersch: «The Memory Machine»

Baden in Tanzgeschichte. Der Boden des quadratischen Raums ist voller Papierstreifen. Darauf sind Erinnerungen gedruckt, Erinnerungen von Zeitzeugen der deutschen Tanzhistorie. Mit den akkurat zerschnittenen Memoiren werfen drei Performer wild um sich. Ein Tänzer umarmt eine Zuschauerin, während er auf sie einredet. Und häuft Sprach-Luftschlangen auf ihren Kopf,...

brüssel: Lisbeth Gruwez: «AH/HA»

Sie lachen sich tot! Das Schicksal ereilt alle fünf auf der Bühne. Grausam oder beneidenswert? Sie ergötzen sich an einer Wipp-Orgie, nehmen alle Erschütterungen des Zwerchfells auf sich und steigern sich in eine Art Trance. Schließlich erliegen sie dem bedrohlichen Lachgefühl eines Gore-Films. Das Besondere: Alles geschieht ohne echte Lacher. Genau darin liegt das...