dortmund: Stephanie Thiersch: «The Memory Machine»
Baden in Tanzgeschichte. Der Boden des quadratischen Raums ist voller Papierstreifen. Darauf sind Erinnerungen gedruckt, Erinnerungen von Zeitzeugen der deutschen Tanzhistorie. Mit den akkurat zerschnittenen Memoiren werfen drei Performer wild um sich. Ein Tänzer umarmt eine Zuschauerin, während er auf sie einredet. Und häuft Sprach-Luftschlangen auf ihren Kopf, bis sie zu Boden sinkt.
Tanzgeschichte ist angesagt. Mehr als 30 Projekte hat der Tanzfonds Erbe ausgewählt und mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes gefördert, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.
Es sind Mosaiksteine der Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Die Kölner Choreografin Stephanie Thiersch geht dabei eigene Wege. Sie hat gemeinsam mit dem Medienkünstler Jasper Diekamp eine «Memory Machine» gebaut, um den Tanz der 1980er- und 1990er-Jahre aufzurufen. Dazu hat Thiersch bislang 40 Tanzschaffende, Journalisten und Veranstalter befragt und ihre Erzählungen gesammelt.
Schon im Foyer ist eine Fährte gelegt. Ein bedruckter Papierstreifen führt zur Kunst. «Ich hatte das Gefühl, wenn der Gerhard Bohner einen Schritt gemacht hat . . .» lockt ein namenloses Zitat. Die eigentliche Installation füllt dann den ganzen ...
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Tanz Oktober 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Bettina Trouwborst
Es klingt wie eine Liebesgeschichte, wenn Choreografen anfangen, über Brendan Dougherty zu reden: «Ein großartiger Künstler», «ein brillanter Musiker», «a queer ally», «einer, der gute Energie mitbringt», «kein Dogmatiker, sondern einer, mit dem man genauso über Pop, RnB wie über Hip-Hop reden kann».
Dougherty selbst neigt nicht zu irgendwelchen Gefühlsbekundungen,...
Am 3. November ist wieder Ashura-Tag. Schiitische Muslime tanzen und geißeln sich im Gedenken an den Heldentod des historischen Imam Hussein Ibn Ali, der 680 in der Schlacht von Kerbela im Kampf gegen die Sunniten fiel. Sunniten und Aleviten verzehren an diesem Tag Süßspeisen für den Frieden, Schiiten bluten, kasteien sich selbst. Die Ashura, der letzte Tag des...
Es sind minimale Nuancen, mit denen der Tanz Gesicht und Gangart ändern kann. Wie ein Serum, das blitzschnell in den Organismus des Zuschauers injiziert wird, zwingen kleinste Modifikationen den Blick zur Neuausrichtung. Ständig müssen neue Wahrnehmungsmuster entwickelt werden. Ein mutiges, merkwürdiges Stück wie «The Greeks» – eine Kooperation zwischen Duda Paiva...
