marc de veer

nennt sich Kris del Vayze. Auf der Bühne ist er eine Drag-Queen, nicht aus Neigung, sondern weil es für ihn das Reizvollste ist, was man nach einer Karriere als männlicher Tänzer behaupten darf. Keinen Mann zu spielen.

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Im großen Zoo der Tanzformen haben sie ihren eigenen Käfig: die Drag-Queens und -Kings, die den Rollenwechsel der Geschlechter tanzen. Männer als Frauen, Frauen als Männer.

Man findet sie meist in der Sek­tion Comedy, aus unerfindlichen Gründen gern bei Firmen-bespaßun­gen oder beim «Edinburgh Fringe Festival», bei dem die Kompanie ­
Drags Aloud aus Australien zuletzt ihr «Showgurl» aufführte, ein Trio, das einen albernen «Chicken Dance» vollführte: Erwachsene Männer gurr­ten als Hühnchen und zeigten nicht mal ein Minimum an Gefühl für die geschlechterübergreifende Gender-Debatte. So kommen sie ja nie im zeitgenössischen Tanz an, da, wo zuletzt Alain Platel in «Gardenia» seine Drags in etwa verortete. Stattdessen toben da herum: Jessica James, der Pragmatiker mit dem ausdruckslosen Gesicht, Amanda Monroe, dessen Name schon so klingt, als sähe er zum Verlieben süß aus. Und Kris del Vayze, der das Pfauenrad schlägt, ein glamouröser Langhans als die Diva schlechthin.

«Gardenia» war immerhin ein subventioniertes Stück Aufklärung. Australiern wie Kris del Vayze steht dagegen nur eine gewisse Chuzpe zur Verfügung. Doch enthält «Showgurl» durchaus auch intime künstlerische Reflexionen ...

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Tanz Dezember 2011
Rubrik: menschen, Seite 26
von Justine Bayod Espoz

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