handbuch für choreografen
Originalität
Über Originalität zu schreiben, das ist eine knifflige Angelegenheit. Wir alle – und nicht zuletzt die Veranstalter – wollen etwas Neues sehen. Aber das Problem ist: Du kannst kein Stück machen, indem du dich bemühst, originell zu sein. Denn so ein Stück wird immer nur davon handeln, originell sein zu wollen.
Vielleicht ist ja das, was dir am leichtesten fällt, das Originellste, was du machen kannst?
Oder aber das, was dir am leichtesten fällt, sind deine Gewohnheiten, die du infrage stellen solltest?
Originalität
Was geschieht gerade sonst noch um dich herum, und was ist zuvor geschehen? Welches ist der historische Kontext, in den du hineinspringst? Kannst du das wissen und trotzdem arbeiten?
Es ist unwahrscheinlich, dass du etwas erfinden wirst, insbesondere wenn dein Verlangen, etwas zu erfinden, zu stark ist.
Es ist nur Arbeit.
Es hilft dir dabei, die Augen offen zu halten, aber auch zu wissen, wann du sie schließen musst.
Um zu arbeiten, wirst du letztendlich das Risiko eingehen müssen, etwas Dummes zu machen, und es kann schwer sein, dumm genug zu sein, wenn dir dabei die Geschichte über die Schulter schaut.
Die Geschichte schaut dir über die Schulter.
Was du ...
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Tanz Februar 2011
Rubrik: praxis, Seite 62
von Jonathan Burrows
18 Kerzenlampen hängen an 18 Bambusstangen. Eine brennende Giraffe wird an die Rückwand projiziert. 18 Tänzerinnen tanzen auf Sandboden zu Steve Reichs «Music for 18 Musicians». 18 mal 18 mal 18: Es regiert die Mathematik. Zwar keine Zahl Pi weit und breit. Trotzdem: Das Stück vergeht einfach schneller, vielleicht, weil weniger passiert. Die Uhr oben rechts zeigt...
Zahlreiche, meist sehr freundliche Nachrufe sind zum Jahreswechsel auf den «Tanzplan Deutschland» erschienen. Bei vielen lösen sie ein gewisses Bedauern aus: «O Gott, wo geht er denn nun hin, der zeitgenössische Tanz?» Gegenstimmen gibt es auch. Sie freuen sich, jetzt sei es mal gut mit einem Tanzprogramm, bei dem sich komplizierte Bürokratien kommunaler und...
Wie animierte Schlenkerpuppen hüpfen die Tänzer durch den Raum. Dabei atmen sie tief, so tief, als wollten sie die Außenwelt in sich aufnehmen. Sie beginnen sich rhythmisch zu schütteln, immer heftiger, werfen die Gliedmaßen in alle Richtungen. Sie drehen sich mit lang gestreckten Beinen und hoch gerissenen Armen in asymmetrischen Figuren: Schlenkerpuppen wie an...
