Das verflixte 7. Mal
Mário Radačovský wirkt kein bisschen gestresst. Die Augen blitzen, der Schalk sitzt ihm im Nacken – der Künstlerische Leiter des Brünner Nationalballetts ist in der Slowakei geboren und doch ein Tscheche, wie er im Bilderbuch steht. Er ist sofort bereit, sich in der schmucken Altstadt von Brno – so der tschechische Name der Stadt – auf einen Cappuccino zu treffen. Dabei hat er nicht nur eine kleine Tochter von 15 Monaten samt entsprechendem Schlafdefizit, sondern am Vorabend die Premiere der Saison gestemmt: «Romeo und Julia».
Was zunächst kaum nach Sensation klingt, denn Sergei Prokofjews Ballett zählt zu den Evergreens des Repertoires und ist durch die Hände vieler eminenter Choreografen gegangen, von Frederick Ashton über John Cranko, Kenneth MacMillan bis John Neumeier (um nur ein paar VIPs zu nennen). Die Attraktion liegt natürlich im Plot, den William Shakespeare so unwiderstehlich um die «starcross‘d lovers» von Verona rankte, dass sie schon 1785 den Weg auf die Tanzbühne fanden. Dazu kommt Prokofjews alle Gefühlsreserven hinwegfegende Tondichtung: akustisches Cinemascope sozusagen. Was Wunder also, dass «Romeo und Julia» längst ein Klassiker ist. Trotzdem war es für Mário ...
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Tanz April 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 52
von Dorion Weickmann
Er war der letzte große Regisseur aus der goldenen Zeit der Hollywood-Musicals: Stanley Donen ist am 21. Februar im Alter von 94 Jahren gestorben. In die Geschichte eingeschrieben hat er sich 1952 mit «Singin‘ in the Rain», der bis heute als einer der besten Filme aller Zeiten gilt. Donen kam als Broadway-Tänzer und Assistent seines Freundes Gene Kelly nach...
Stockholm: Alexander Ekman
ist immer für eine Überraschung gut. In «A Swan Lake» (2014) schwamm das Ensemble des Norwegischen Nationalballetts in 6000 Litern Wasser, im «Mid-sommernattsdröm» (2015, nicht nach Shakespeare) stoben die Tänzerinnen und Tänzer des Königlich Schwedischen Balletts durch tonnenweise gemähtes Heu, in «Play» (2017) aalte sich das Pariser...
Vor der Tanzvorstellung gibt es, allseits beliebt, das Ein-führungsgespräch. Mit verhaltener Anteilnahme lauschen meist ältere Zuschauer im Seitenfoyer den lobenden Ausführungen der Dramaturgie oder Abendspielleitung, um zu erfahren, worum- es bei der folgenden Darbietung gehen wird. Zu diesem Format, wie es genannt wird, also anekdotenreichen, witzigen oder auch...
