Viel Lob
Vor der Tanzvorstellung gibt es, allseits beliebt, das Ein-führungsgespräch. Mit verhaltener Anteilnahme lauschen meist ältere Zuschauer im Seitenfoyer den lobenden Ausführungen der Dramaturgie oder Abendspielleitung, um zu erfahren, worum- es bei der folgenden Darbietung gehen wird. Zu diesem Format, wie es genannt wird, also anekdotenreichen, witzigen oder auch drögen Einführungen, gesellt sich gern das Publikumsgespräch. Es findet nach der Vorstellung statt. Hier lässt man sich die tieferen Absichten der Künstler nahebringen.
Man lobt die Befragten vor dem verbliebenen und darum wohlmeinenden Publikum: Wie schön das alles war! Die jüngste Variante dieser viel gelobten Kommunikation zwischen Zuschauer- und Künstlerschaft ist das Expertengespräch.
Beiträge von Experten sind der neuste Schrei. Sie sorgen für «Relevanz-tanz». So lautet der stehende Begriff. Man darf sich das so vorstellen: Eine Choreografin, Colette Sadler in den Sophiensälen in Berlin, oder ein Künstlerpaar wie Malgven Gerbes und David Brandstätter in den dortigen Uferstudios, laden nach der Vorstellung zur Talk-Show. Da erzählt im Anschluss an Sadlers jüngstes Tanzopus das netzkritische Tactical Technology ...
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Tanz April 2019
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Arnd Wesemann
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Sergei Polunin, 2012 vom Royal Ballet in London abgesprungen und seitdem als Gaststar von Moskau bis München tätig, ist ein interessanter Fall. Die einen regen sich über sein Putin-Tattoo auf, die anderen über Posts, mit denen er Dickleibige und vermeintlich effeminierte Tänzer attackiert. Die dritte Fraktion wiederum zuckt mit den Achseln und meint – solange er...
Patricia Neary ist auch mit 76 Jahren die weltweit gefragteste Lord-siegelbewahrerin des Œuvres von George Balanchine. Als ehemalige Balanchine-Ballerina und Botschafterin des Balanchine Trust kultiviert sie selbst noch in Trainingsklamotten – ihre sind ganz in Off-white gehalten – den althergebrachten Ballerinentypus: schön, elegant, u-nnahbar. Dank der...
